• Ute Braun

Kirche - Daheim (2. Sonntag nach Trinitatis)


Kirche - Daheim! - Haus-Gottesdienst am 2. Sonntag nach Trinitatis, den 21.6.2020


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern – für den Sonntag Trinitatis, 07.06.2020

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).


Musikalisches Vorspiel

Eröffnung: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 36 (NL 915)

HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe.

HERR, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Eingangsgebet:

Guter Gott,

nach vielen Wochen sind wir wieder hier zusammen in deinem Haus, in unserer Kirche. Dafür sind wir dankbar!

Andere sind heute noch nicht da – aus Vorsicht, aus Rücksicht – auch sie wollen wir nicht vergessen.

Wir alle, ganz egal ob wir nun hier sein können oder von zu Hause aus den Gottesdienst mitfeiern – brauchen deine Nähe. Wir brauchen Zuflucht unter deinen Flügeln – gerade in diesen ungewissen und unruhigen Zeiten – und wir brauchen Quellen, mit denen du uns tränkst: Kraftquellen, Trostquellen, Lebensquellen, erfrischende und erquickende Quellen.

Komm uns nahe, Gott – schenke unseren Seelen das, wonach sie sich sehnen.

Amen.


Lesung: Matthäus 11,25-30

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.

Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Lied: Tut mir auf die schöne Pforte (EG 166,1+2+4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein;

ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein!

Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht.

2) Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir.

Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier.

Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.

4) Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn auf mich fällt. Gib mir Licht in dem Verstande und, was mir wird vorgestellt, präge du im Herzen ein, lass es mir zur Frucht gedeihn.

Predigtgedanken (Audio Datei zum MITHÖREN)

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Es verwundert mich in diesen Wochen doch immer wieder, wie merkwürdig passend die vorgeschlagenen Predigttexte für unsere Gottesdienste hier in Lichtenau sind.

Am ursprünglichen Konfirmationstermin habe ich es schon so erlebt – und heute wieder: Ausgerechnet dieser Abschnitt aus dem Matthäusevangelium ist heute Predigttext, wo wir nach 14 Wochen nun erstmals wieder gemeinsam hier in unserer Kirche Gottesdienst feiern.

Sicher mit Einschränkungen und lange noch nicht so, wie wir es gewohnt sind und es uns wünschen – aber dennoch: wir sind wieder hier – im vertrauten Gottesdienstraum – mit den gewohnten Klängen und Stimmen – wir sehen einander und können so Gemeinschaft spüren – wir hören die Zusagen nicht mehr nur am Telefon oder aus dem Computer vorgelesen oder selbst gelesen – sondern ganz direkt.

Ich empfinde es so, dass wir heute nicht nur in unsere Kirche gekommen sind, sondern auch in besonderer Weise zu Gott kommen – um hier ablegen zu können, was uns belastet – und gestärkt hinauszugehen.

Natürlich kann man auch in anderer Weise „zu Gott“ kommen – auch das haben wir ja in den vergangenen Wochen nochmal bewusster als sonst wahrgenommen. Auch daheim oder im leeren Kirchenraum haben wir Formen gefunden, um zur Ruhe zu kommen, mit Gott in Kontakt zu gehen, still zu werden, zu beten, Stärkung und Trost zu erfahren.

Und doch behaupte ich: heute und hier ist es nochmal anders – und ich glaube, wir spüren das auch.

Mir ging es schon so, als ich vor 3 Wochen in Scherzheim/Helmlingen Gottesdienst gehalten haben – nach 11 Wochen wieder vor echten Menschen predigen – das hat mich berührt. Nach 11 Wochen wieder die Orgel zu hören – live! Das war einfach schön! Und ähnliches hat mir eine Gottesdienstbesucherin letzten Sonntag in Rheinbischofsheim erzählt: „Als die Orgel zu spielen begann, stiegen mir ein wenig die Tränen in die Augen.“

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Für mich klingen diese Worte wie eine Antwort auf eine große Sehnsucht der Menschen. Auf eine Sehnsucht, die wir auch in uns tragen und in diesen Wochen vielleicht noch einmal stärker zu spüren bekamen:

Wir brauchen einen Ort, wo wir zur Ruhe kommen können!

Wir brauchen einen Platz oder auch einen Menschen, bei dem wir aussprechen und so auch ablegen können, was uns belastet.

Wir brauchen Quellen, die uns nähren: Kraftquellen, Trostquellen, Freudenquellen…

…und ich glaube, wir haben in diesen Wochen auch alle irgendwie gemerkt: ich kann mir diese Quellen nicht allein erschließen. Dafür braucht es den Zuspruch von außen – die Zusage, die ein anderer an uns weitergibt – ich muss es sehen, hören, spüren – es genügt nicht, wenn ich es nur in mir denke!

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Jesus war es, der diese Quellen für die Menschen seiner Zeit erschloss. Auch vor ihm war es den Menschen natürlich möglich, zu ihrem Gott zu beten und ihn in Gottesdiensten zu verehren, aber in Jesus begegneten sie diesem Gott nun unmittelbar: „niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will“

- aber es waren nicht nur die Lehren und Erzählungen Jesu, in denen die Menschen Gott erfahren konnten, sondern im Leben und Handeln Jesu:

Hier begegneten sie jemandem, der sie annahm – ohne Ansehen ihrer Person, ihre Herkunft, ihrer Fehler…

Hier begegnete ihnen einer, der Menschen Gutes tat – ihnen gut tat – weil er sich Zeit für sie nahm, ihnen zuhörte, sie segnete, mit ihnen und für sie betete – sie aufrichtete und ihnen Heilung an Leib und Seele schenkte.

Und hier begegnete ihnen einer, der seine Glaubensüberzeugungen lebte bis zur letzten Konsequenz, so schwer sie dann auch war.

Ja, was man an Jesus lernen kann ist, dass auch ein noch so gläubiges und gottgefälliges Leben nicht automatisch ein leichtes Leben ist.

Jesus hatte genug zu tragen – Kreuze der unterschiedlichen Art – und das der Verurteilung und der Verspottung wog sicher am schwersten.

Und Jesus machte seinen Jüngern und den anderen Zuhörern da auch nichts vor: wer ihm nachfolgt und – wie er – seinen Glauben lebt, dem wird auch genug zu tragen aufgegeben – Lasten aber, die nicht in die Knie zwingen wollen – Lasten, die uns nicht hart und verbittert machen sollen:

„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“

Ruhe für die Seele – da ist sie wieder: die Sehnsucht von uns Menschen, die gestillt werden soll: Ruhe, Frieden, Kraft… Quellen, die uns nähren.

Die einzelnen Verse, die heute unser Predigttext sind, wurden wohl erst durch Matthäus in dieser Form kombiniert. Aber Matthäus tat es ganz bewusst.

Für ihn stand fest: Gott wirklich begegnen, ihn kennenlernen, wie er wirklich ist, das kann man nur durch Jesus Christus.

An diesem Jesus konnte man sich vieles abschauen, was einen Christen ausmacht – und das war kein Leben, wo alles leicht und unbeschwert ist, sondern wo man sich für seine Überzeugungen, für andere Menschen, für Gerechtigkeit einsetzt. Aufgaben, die an den Kräften zehren, wenn man sie ernsthaft verfolgt. Und wenn sie noch auf besondere Umstände stoßen oder auf persönliche Lebenssituationen, dann kann man da durchaus an seine Grenzen stoßen – und alles fühlt sich auf einmal schwer, mühselig, beladen an…

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Matthäus erfährt seinen Glauben an den Gott, wie er ihm in Jesus begegnet, dann aber auch als eine Kraftquelle.

Hier – bei diesem Gott – findet er Ruhe für seine Seele, kann durchatmen, Zuspruch erfahren, Kräfte sammeln – um dann wieder hinaus zu gehen und sich den Aufgaben zu stellen, die weiterhin bestehen.

Die letzten Wochen haben uns wohl allen auf die eine oder andere Weise viel abverlangt – und es ist gut und wertvoll, dass uns wieder Orte und Begegnungen geöffnet werden, wo wir „Erquickung“ finden.

Allerdings ist es keine Einladung an dieser Kraftquelle, diesem Ruheort, wo unsere Seele Frieden finden kann, ein dauerhaftes Lager aufzuschlagen…

Unsere Verantwortung als Christen in dieser Welt ist nach wie vor gefragt und notwendig:

- um weiter achtsam und rücksichtsvoll auf uns und die Menschen um uns zu schauen in dieser Krisenzeit

- um Gegenrede zu halten, wo Verschwörungstheoretiker und andere Ignoranten die Krise kleinreden und damit andere gefährden

- um die Menschen in den Blick zu bekommen, die von dieser Krise in ihrer Existenz bedroht sind – weil sie arbeitslos geworden sind oder in Kurzarbeit geschickt wurden und viele Hilfsangebote nach wie vor nicht so zugänglich sind, wie es nötig wäre.

- um Verantwortung zu übernehmen in all den Bereichen unseres Lebens und in unserer Gesellschaft, die nach wie vor im Argen liegen – wo wir derzeit sicher zuerst an das weite Feld von Rassismus und Diskriminierung denken – aber das ist ja nur eines von vielen.

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“

Für Matthäus gehören diese beiden Gedanken zusammen:

Die Verantwortung (das Joch), die wir tragen müssen – die Lasten, die es nach wie vor gibt (auch in unserem persönlichen Leben!), und der Raum, wo wir immer wieder zu Gott kommen können, um uns auszurichten auf ihn und was wesentlich ist für unser Leben – um aus den Quellen zu schöpfen, die er uns erschließt.

Erst dann, so ist Matthäus überzeugt, finden wir Ruhe für unsere Seele: wenn wir uns an Jesus ausrichten, uns in unserem Glauben getragen wissen und unsere Verantwortung in der Welt übernehmen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

Lied: Da wohnt ein Sehnen (NL 116,1-4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns…

2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns…

3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns…

4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Lebendiger Gott, Quelle des Lebens,

wir bitten dich um Stärkung für alle Müden und Beladenen.

Es gibt so vieles, was Menschen zu tragen haben an Aufgaben, Verantwortung oder auch Sorgen – im Beruf, in der Familie oder für ihr ganz persönliches Leben.

Schenke ihnen Raum, um abzuladen und sich zu erholen – so dass sie Kraft gewinnen um weiter zu tragen.

Gott, Quelle des Trostes,

wir bitten dich um deine Nähe für alle Menschen, die derzeit leiden: die Einsamen, die ihre Einsamkeit in diesen Wochen noch schmerzhafter zu spüren bekommen – die Trauernden, die sich von Menschen oder Lebensentwürfen verabschieden mussten.

Gott, Quelle der Kraft,

wir bitten dich um deine Stärkung für all die Bereiche, wo wir als Christen nicht tatenlos zusehen dürfen, sondern Verantwortung übernehmen müssen, damit nicht nur unsere Seele Ruhe und Frieden findet sondern auch unsere Welt.

Und alles, was uns persönlich bewegt, bringen wir in der Stille vor dich… (STILLE)

Vater unser im Himmel…

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

Amen.

Lied: Leben aus der Quelle (NL 66,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


Refrain: Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir,

Leben aus der Quelle des Lebens. (2x)

1. Und du erforscht mich, veränderst mein Denken,

Nur noch aus dir will ich leben, oh Herr. (2x)

Refrain: Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir,

Leben aus der Quelle des Lebens. (2x)

2. Hilfst mir zu schweigen und auf dich zu warten,

Nur noch aus dir will ich leben, oh Herr. (2x)

Refrain: Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir,

Leben aus der Quelle des Lebens. (2x)

3. Willst mich gebrauchen, als Salz für die Erde,

Nur noch aus dir will ich leben, oh Herr. (2x)

Refrain: Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir,

Leben aus der Quelle des Lebens. (2x)

Dieser Gottesdienst wird von Pfrin. Ute Braun „analog“ am Sonntag um 10 Uhr in unserer Ev. Kirche in Lichtenau gehalten.




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