• Ute Braun

Kirche - Daheim (3.Sonntag nach Trinitatis)


Kirche - Daheim! - Haus-Gottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis, den 28.6.2020


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).


Eröffnung: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 103 (in Auszügen)

Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen.

Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

Eingangsgebet:

Neu anfangen. Du machst es möglich, Gott.

Du streckst deine Hand nach mir aus. Du ziehst mich hoch und stellst meine Füße auf weiten Raum. Du zeigst mir den Weg, den ich gehen kann. Und hoch wie der Himmel spannt sich über mir deine Gnade.

Amen.

Lesung: Lukas 15,11-24

Jesus erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. Nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater.

Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.

Lied: Lobet den Herren alle, die ihn ehren (EG 447,1-3+6+7) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Lobet den Herren alle, die ihn ehren; lasst uns mit Freuden seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren!

2) Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket: Lobet den Herren!

3) Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!

6) O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, ach lass doch ferner über unser Leben bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben. Lobet den Herren!

7) Gib, dass wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen unverhindert gehen und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren!



Predigtgedanken zu Micha 7,18-20 (Audio Datei zum MITHÖREN)

„Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.“

Schuld, Barmherzigkeit und Vergebung – das sind die Leitworte, die über dem heutigen Sonntag stehen.

In der vertrauten Geschichte vom „Barmherzigen Vater“ wird uns von einem erzählt, der Schuld auf sich lädt und schließlich umkehrt – dem sein Vater voller Barmherzigkeit entgegenläuft und ihm vergibt. Er darf neu anfangen…

Und auch in dem kleinen Abschnitt aus dem Propheten Micha, der heute Predigttext ist, geht es um Schuld, Barmherzigkeit und Vergebung – nur betrifft es hier nicht nur einen einzigen Menschen sondern ein ganzes Volk!

Um den Text ein bisschen besser zu verstehen, muss man ein wenig in die Geschichte des Volkes Israel eintauchen und in ihr Gottesverständnis.

Ein großer Teil des Volkes Israel war von den Feinden ins Exil gebracht worden. Nur ein kleiner Rest war übrig geblieben und erlebte in ihrer Heimat die Bedrückung durch die Feinde.

Und wie meistens im Alten Testament erklärten sich die Menschen ihr Schicksal durch Gottes Zorn: Sie waren schuldig geworden, Gott hatte sich abgewandt und sie den Feinden ausgeliefert. Eine einfache Rechnung, ein einfaches Erklärungsmodell.

Wenn es einem Menschen nicht gut geht, wenn ein Volk leidet, dann – so waren sich die Menschen damals sicher – hatten sie sich etwas zuschulden kommen lassen, dass diese Strafe nach sich zog.

Ganz so verstehen es heutzutage die wenigsten Menschen. Aber auch wir suchen, wenn wir Leid erfahren, einen Schuldigen! Das ist wohl zutiefst menschlich.

Heutzutage ist es dann oft die persönliche Lebensgestaltung, die wir verantwortlich machen oder – wie man es derzeit immer wieder hört: die Wirtschaft, die Politiker, andere Weltmächte, die Fremden oder oder oder…

Es ist ja auch irgendwie einfacher, wenn wir für das, was wir an Leid erfahren, einen Schuldigen finden. Und es ist angenehmer, die Schuld irgendwo anders zu suchen als bei sich selbst. Und wie gesagt: es ist wohl zutiefst menschlich, dass wir Erklärungen suchen, für etwas, das wir nicht verstehen und auch nicht wirklich ändern können.

Aber ich glaube: so einfach ist es nicht. Nicht alles, was wir erleben und nicht verstehen, lässt sich durch diese einfache Schlussfolgerung von Schuld und Ergehen erklären.

Doch für Micha in seiner Zeit war das eine gängige Erklärung – und die Perspektive, die er in unserem kleinen Predigttext zeichnet, ist dann nur folgerichtig: wenn Gott sich erbarmt, wenn er dem Volk vergibt, wenn er sich ihm wieder zuwendet, dann kann das Volk wieder aufatmen. Dann wird es von den Feinden befreit, kann wieder aufleben, neu beginnen!

Denn das ist das andere, von dem Micha fest überzeugt ist: Gott wird nicht auf ewig zornig bleiben – er liebt sein Volk und hält ihm die Treue. Und die Bilder, die er dafür findet, sind ja auch wirklich ausdrucksstarke Bilder:

Gott wird die Schuld unter seine Füße treten und die Sünden ins tiefe Meer werfen.

Das ist Befreiung – spürbar und sichtbar!

Das Bild von einem zornigen Gott, der sich abwendet, ist uns heute eher fremd. Nicht zuletzt natürlich, weil uns Jesus ein anderes Gottesbild vor Augen geführt hat.

Doch auch bei ihm gibt es immer noch die Schuld des Menschen, der einen Gott braucht, der ihm vergibt. So zumindest klingt es ja auch in dem Gleichnis vom „Barmherzigen Vater“ an.

Aber: Ist es bei uns heute auch noch so? Brauchen wir einen Gott, der uns vergibt? Wir kennen die Gnadenzusagen aus unseren Gottesdiensten – nach dem Bußgebet, in der Beichte, im Abendmahl – und in jedem Vaterunser.

Aber brauchen wir es? Oder anders gefragt: brauchen wir diese starken Bilder, die Micha verwendet, dass Gott die Schuld unter seine Füße treten wird und die Sünden ins tiefe Meer werfen?

Ich behaupte: ja, wir brauchen sie! Nicht immer und nicht ständig! Aber ich glaube, jeder von uns braucht sie irgendwann in seinem Leben!

Ich denke da zum Beispiel an Menschen, die sich mit ihrem Partner, ihrer Familie, einem langjährigen Freund zerstritten haben und nicht wissen, wie sie das wieder ins Reine bringen können.

Da sehnen wir uns danach, dass der andere kommt und sagt: Schwamm drüber! Ich vergebe dir! Lass uns nochmal neu miteinander anfangen!

Oder manchmal sind wir es auch, die über unseren Schatten springen und auf den zugehen, dem wir Unrecht getan haben und ihn um Verzeihung bitten.

Wie schön ist es da, wenn der andere unsere Entschuldigung annimmt und uns die Hand zur Versöhnung reicht!

Ich denke auch an Schuld, die ein Volk auf sich laden kann – oder mit der es beladen wird über Generationen hinweg. In unserer deutschen Geschichte gibt es ja auch Beispiele dafür. Und wie dankbar sind wir heute, wenn uns das nicht auf ewig nachgetragen wird, sondern versöhntes Miteinander möglich ist – mit Nachbarvölkern, die mal unsere Feinde waren, mit Religionsgemeinschaften, die in unserem Land schlimmstes Unrecht erfahren haben.

Das sind Beispiele für „Schuld“, die wir benennen können, für die wir um Vergebung bitten können – und wo wir, wenn‘s gut läuft, gemeinsam und manchmal auch mit viel Arbeit und langem Atem zu einem versöhnten Miteinander finden.

Aber ich glaube, es gibt auch noch eine Schuld, die manche von uns in sich tragen – oder vielleicht ist es auch nur ein Schuldgefühl.

Es gibt Situationen in unserem Leben, die uns belasten – wo wir an anderen schuldig wurden, an unserer Schöpfung oder auch an uns selbst. Schuld, die wir nicht einfach so aus der Welt schaffen können, indem wir jemandem die Hand reichen. Manchmal gibt es diesen anderen auch gar nicht mehr oder er ist für uns nicht mehr erreichbar. Ja manche dieser „Schulden“ können wir noch nicht einmal recht benennen und schon gar nicht laut aussprechen. Aber sie liegen uns auf der Seele – oft jahrelang!

Und in solchen Fällen, da wünschen wir uns dann tatsächlich jemanden – und manchmal muss das dann auch eine höhere Instanz sein – die uns zuspricht: „Dir ist deine Schuld vergeben. Ich trete sie unter meinen Füßen platt. Ich werfe sie weit von dir entfernt ins tiefste Meer. Atme auf. Sie ist von dir genommen.“

Und ich glaube, wer es so hören und glauben kann, für den ist es auch eine Befreiung – eine Entlastung in mehrfachem Sinn.

Ja, unser Gottesbild hat sich über die Jahrtausende von Micha über Jesus bis zu uns heute verändert – aber immer noch ist es so, dass Menschen schuldig werden und Versöhnung suchen. Und immer noch ist es so, dass wir als Glaubende darauf hoffen, dass Gott zu uns hält, auch wenn wir immer wieder scheitern und Fehler machen.

Dass wir neu beginnen dürfen – wie der Sohn im Gleichnis von Jesus, wie das Volk zu dem Micha spricht und wie wir, wenn uns beim Abendmahl oder beim Bußgebet zugesagt wird: „Dir ist deine Schuld vergeben. Leg es ab. Ich nehme es von dir! Du darfst neu beginnen.“

Vielleicht haben Sie es ja auch schon mal gespürt, wie Sie nach so einer Gnadenzusage auf einmal das Gefühl hatten, dass es Ihnen leichter ums Herz ist? Und Sie unwillkürlich aufatmen? Dann wissen Sie ja, was ich meine!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

Lied: Vergiss nicht zu danken (EG 618,1-4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan. Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern, du kannst ihm, so wie du bist, nahn.

Refrain: Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, vielmehr, als ein Vater es kann. Er warf unsere Sünden ins äußerste Meer. Kommt, betet den Ewigen an.

2) Du kannst ihm vertrauen in dunkelster Nacht, wenn alles verloren erscheint. Er liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht, ist näher als je du gemeint.

Refrain: Barmherzig, geduldig und gnädig ist er…

3) Im Danken kommt Neues ins Leben hinein, ein Wünschen, das nie du gekannt, dass jeder wie du Gottes Kind möchte sein, vom Vater zum Erben ernannt

Refrain: Barmherzig, geduldig und gnädig ist er…

4) In Jesus gehörst du zur ewigen Welt, zum Glaubensgehorsam befreit. Er hat dich in seine Gemeinde gestellt und macht dich zum Dienste bereit.

Refrain: Barmherzig, geduldig und gnädig ist er…

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Barmherziger Gott,

Wir danken dir, für jeden Neuanfang, den du uns schenkst. Für den Zuspruch deiner Gnade, der uns aufatmen und frei werden lässt.

So bitten wir dich heute für alle Menschen, die an uns schuldig wurden oder gegenüber denen wir selbst schuldig wurden.

Wir bitten dich für Völker und Religionen, die bis heute in Konflikten leben.

Für Paare und Familien, in denen Unfrieden herrscht.

Wir bitten für alle, die sich um Frieden und Versöhnung bemühen. Für Gemeinschaften, die um ein gutes Miteinander ringen.

Wir bitten für unsere Schöpfung, an der wir immer wieder schuldig werden.

Schenke du in all diesen Bereichen Bereitschaft zur Versöhnung und Wege um aufeinander zuzugehen.

Vater unser im Himmel…

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

Amen.

Lied: Lobe den Herrn meine Seele (NL 68,1-4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen.

Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele. (2x)

1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele…

2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen,

von Herzen ihm ewiglich singen:

Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele…

3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen,

von Herzen ihm ewiglich singen:

Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele…

4. Der Erd und Himmel zusammenhält, unter sein göttliches Jawort stellt, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele

Dieser Gottesdienst wird von Pfrin. Ute Braun „analog“ am Sonntag um 9 Uhr in Helmlingen und um 10 Uhr in Scherzheim gehalten.



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