Kirche - Daheim (3-Tage Andacht)


Kirche – Daheim!

Haus - Gottesdienst für Gründonnerstag, Karfreitag und

Ostern 2020 von Pfarrer i.R. N. Unkrich


(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie erdacht. Gerne dürfen Sie diesen auch ausdrucken und weitergeben).

Wir denken an Gründonnerstag: Jesus feiert mit seinen Jüngern das Abendmahl. Er will Gemeinschaft mit ihnen – und so auch mit uns!

Wir denken an Karfreitag: Jesus erleidet am Kreuz von Golgatha einen qualvollen Tod. Er nimmt die Schuld aller Menschen auf sich – auch unsere!

Wir denken an Ostern: Gott ruft seinen Sohn heraus aus dem Tod. Nun dürfen wir wissen, dass der Tod nicht das Letzte ist – auch nicht für uns!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des

Heiligen Geistes. Amen.

Am Kreuz hängend betete Jesus Worte aus Psalm 22:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.

Aber du, Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!“

Göttlicher Vater, in diesen Tagen wollen wir den Weg Deines Sohnes bedenken: seinen Weg ans Kreuz im Gehorsam Dir gegenüber trotz Verrat und Angst, Leiden und unsäglichen Schmerzen. Dennoch hält er an diesem Weg fest. Er stiftet das Heilige Abendmahl,

weil jeder von uns ihm wichtig ist. Er nimmt alle Schuld auf sich, um jedem von uns die Tür zu Dir, himmlischer Vater, offen zu halten. Hilf uns, dies in Demut und in Dankbarkeit zu erkennen und dabei auch unseren eigenen Lebensweg zu bedenken. Hilf uns, Dir zu

Vertrauen trotz allem, was uns unser Leben jetzt in diesen Tagen so schwer und ungewiss macht. Dir sei Ehre jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

Lied: O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85)

1) O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und

voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit

einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret

mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch

schimpfieret: gegrüßest seist du mir!

4) Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last;

ich hab es selbst verschuldet, was du getragen

hast. Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn

verdienet hat. Gib mir, o mein Erbarmer, den

Anblick deiner Gnad.

Predigttext: Johannes 12, 24:

„Christus spricht: Wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“.

Wozu brauchen wir Weizenkörner? Wie viele andere Getreidesorten sind sie für unsere tägliche Nahrung lebensnotwendig. Doch zuvor müssen sie auf unseren

Feldern wachsen und reifen, werden gedroschen und gemahlen. Mit dem Mehl bereiten wir einen Teig zu für Brot, Kuchen und Nudeln. Gerade das Mahlen des Getreides ist ein schmerzlicher Vorgang, jedoch lebensnotwendig. Ansonsten könnten wir keine köstlichen und nahrhaften Backwaren herstellen – auch keine Hostien für das Abendmahl.

Jesus hat sich mit dem Weizenkorn verglichen. Wie ein solches Korn in die Erde eingebracht wird, hat er sich hingegeben in die Dunkelheit des Leidens und Sterbens. Er hat schmerzhafte Stunden erleiden müssen – vergleichbar dem Zermahlen der Getreidekörner: Von den eigenen Jüngern verraten und verleugnet. Von Soldaten gefangen genommen,

geschlagen, gequält, bespuckt, gefoltert. Als Krönung eine Dornenkrone. Dann im nächtlichen Schnellverfahren zum Tod am Kreuz verurteilt – gleich einem Schwerverbrecher. Doch warum hat Jesus das alles auf sich genommen?

Er hat es im Auftrag Gottes für uns getan, damit wir wissen: Wenn wir Leiden und Schmerzen, Krankheit und Einsamkeit, Zweifel und Gottverlassenheit ertragen müssen, dann steht Jesus

neben uns. Er kennt sich aus in solch bösen und ungewissen Zeiten. Denn er hat es ja selbst erlitten.

Darum: Wenn Du solche schwere Zeiten (auch wie jetzt in der Corona-Plage) zu durchleiden hast, dann schaue auf Jesus! Der Sohn Gottes hat dies alles auch für Dich erlitten!

Wenn wichtige Tage und Entscheidungen anstehen, dann möchten wir nicht allein sein. Wir suchen die Gemeinschaft mit denen, die uns nahestehen. Bei einer Goldenen Hochzeit zum Beispiel wollen wir unsere Liebsten um uns haben. Und beim Festmahl darf es an nichts fehlen. – Jesus hatte seine Freunde ebenfalls zu einem Festmahl eingeladen. Dabei hatte

er sich nicht als der strahlende Gastgeber vorgestellt, sondern als der Diener von allen, als er seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte. Damit brachte er zum Ausdruck:

‚Wer unter euch ein Großer sein will,der soll ein Diener der anderen sein!‘

Und auch bei diesem Festmahl ging es sehr spartanisch zu: Statt auserlesene Kuchen und Torten nahm Jesus ein Stück Brot, zerbrach es und teilte es an seine Freunde. Undfast wichtiger als das Stückchen Brot und anschließend der Becher mit Wein waren seine Worte. Bei diesem ersten Abendmahl waren seine Worte wie ein Vermächtnis:

„Dieses Brot ist mein Leib“.

Wie das Brot zerbrochen wurde, so gebe ich meinen Körper, mein Leben hin für euch, auch wenn es für mich unsägliche Schmerzen bedeutet. – Und genauso beim Wein:

„Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut“.

Damit schließe ich mit euch, die ihr zu mir gehört, einen neuen Bund. Einen Bund, der ewig besteht. Denn auch im Tod bin ich mit euch verbunden und ihr mit mir! – Ich glaube nicht, dass die Jünger an diesem Abend mit einem rauschenden Festmahl gerechnet

hatten. Aber sie hatten verstanden:

Jesus, unser Herr und Meister, geht nicht nur konsequent seinen ihm auferlegten Weg, er gibt sich hin bis in den Tod! Und diese Verbindung zu ihm und mit ihm soll mit dem

Sterben nicht zerstört werden. Und genau dies gilt für Jeden von uns ganz persönlich: Weil Jesus dies für Dich getan hat, bist du in Gottes Hand und bleibst du in Gottes Hand!

Und nach Gründonnerstag kommt der Karfreitag.

Jesus, das Weizenkorn, wird in die Erde gelegt. Nun sieht es so aus, als sei alles aus und vorbei, als sei die Hoffnung der Jünger wie ein Kartenhaus in sich zusammengebrochen. Aber wie ist es beim Weizenkorn? Auch das wird von den Landwirten Jahr für Jahr in die Erde gebracht. Und bald danach beginnt es zu keimen und durchbricht nach einigen

Tagen die Erde.

Junges Grün sprosst und treibt, reckt und streckt sich in die Sonne. Und durch die Wuchskraft, die im Weizenkorn schlummert, wird diese junge Pflanze groß und stark, bis sie im Sommer blüht und reift. Und aus einem einzelnen Getreidekorn können hunderte neuer Körner entstehen. Ja, das Weizenkorn bringt viel Frucht! Es lebt und vermehrt sich, weil es uns Nahrung und Lebenskraft geben will in unserem täglichen Brot!

Ist das Weizenkorn tot? Wenn es in die Erde ausgebracht und zugedeckt wurde, sieht es zunächst so aus, als wäre es tot. Aber – und das können wir Jahr für Jahr von Neuem sehen und erleben – es darf aufgehen und wachsen. Es darf auferstehen zu neuem Leben, um Leben zu geben! Das ist das Wunder des Weizenkorns! Und ich glaube, jetzt verstehen wir, warum Jesus sich mit dem Weizenkorn verglichen hat: Er spricht nicht nur von seiner Auferstehung, die an Ostern geschehen ist, er ist zugleich das Brot des

Lebens.

Er will uns sättigen mit himmlischer Speise! Er will Gemeinschaft mit uns, die über das Sterben hinaus besteht! Er gibt sich in das Leiden und nimmt alle unsere Schuld auf sich! Denn zwischen Gott und uns soll nichts Trennendes stehen! Und der göttliche Vater ruft ihn heraus aus der Nacht und Macht des Todes!

Jesus darf auferstehen und so auch wir mit ihm! Das Ist die frohe und befreiende Botschaft, die wir an Gründonnerstag, an Karfreitag und an Ostern hören und feiern dürfen!

Amen.

Lied: Herzliebster Jesu (EG 81)

1) Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, dass

man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was

Ist die Schuld, in was für Missetaten bist du

geraten?

4) Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute

Hirte leidet für die Schafe, die Schuld bezahlt der

Herre, der Gerechte, für seine Knechte.

6) O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, die dich ge-

bracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der

Welt in Lust und Freuden, und du musst leiden.

Wir wollen beten:

Herr Jesus Christus, Du hast Dich mit dem Weizenkorn verglichen.

Wie das Korn einen leidvollen Weg zurücklegt, bis es uns im täglichen Brot Nahrung und

Lebenskraft schenkt, so ist es auch bei Dir.

Wir denken in diesen Tagen und besonders an Gründonnerstag daran, dass Du innige Gemeinschaft mit uns haben möchtest selbst über den Tod hinaus.

Wir danken dafür, dass wir immer wieder das Abendmahl feiern dürfen, um unsere Gemeinschaft mit Dir zu stärken.

Zugleich denken wir an die Menschen, die in der gegenwärtigen von Corona beherrschten

Zeit besonders unter ihrer Einsamkeit leiden.

Wir denken in diesen Tagen und besonders an Karfreitag an das Leiden, das Du als Gottesknecht auf Dich genommen hast, um dadurch unsere Schuld zu sühnen.

Wir danken dir, dass wir durch Deinen Tod am Kreuz freigesprochen sind von allem,

was uns von Gott trennen könnte. Zugleich denken wir an alle Menschen, auch an uns, die unter den Folgen von Corona leiden, und an die, immer wieder Schuld auf sich laden.

Wir denken in diesen Tagen und besonders an Ostern daran, dass Du in Deiner Auferstehung den Tod besiegt hast.

Wie das Weizenkorn zu neuem Leben erwacht und im täglichen Brot auch uns neues Leben

schenkt, so dürfen wir gewiss sein, dass auch wir auferstehen und in Dir leben dürfen. Zugleich denken wir an die, auch an uns, die Zweifel haben an dieser frohen und befreienden Osterbotschaft. Dennoch wollen wir mit vielen Christen vor uns und unter uns bekennen:


„Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Und alles, was uns ansonsten bewegt, wollen wir Dir jetzt in der Stille anvertrauen…


Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, begleite Euch:

Er erfülle Eure Herzen, er regiere Eure Gedanken, er bestimme

Euer Tun.

Amen.

Lied: Wir danken dir (EG 107)

1) Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du vom

Tod erstanden bist und hast dem Tod zerstört sein

Macht und uns zum Leben wiederbracht.

Halleluja!

2) Wir bitten dich durch deine Gnad: nimm von uns unsre Missetat und hilf uns durch die Güte dein,

dass wir dein treuen Diener sein. Halleluja!

3) Gott Vater in dem höchsten Thron samt seinem

eingebornen Sohn, dem Heilgen Geist in gleicher

Weis in Ewigkeit sei Lob und Preis! Halleluja!

Es segne und behüte uns alle Gott, der Allmächtige und Barmherzige, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist!

Amen.

Ich wünsche Ihnen und ihren Angehörigen gesegnete

Tage, Gesundheit und Gottvertrauen!

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