• Ute Braun

Kirche - Daheim (4. Sonntag nach Trinitatis)


Kirche - Daheim! - Haus-Gottesdienst

am 4. Sonntag nach Trinitatis, den 5.7.2020


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).


Eröffnung: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 42 (in Auszügen)

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,

so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Eingangsgebet:

Gott, bist du da, wenn uns die Angst lähmt? Wenn uns Mutlosigkeit überkommt und wir nicht wissen, wie es weitergeht?

Schenke uns, dass wir dich spüren, wenn wir mutig aufbegehren. Schenke uns, dass wir merken, wie du Schulter an Schulter mit uns da stehst, wenn wir für uns und andere eintreten.

Lass dich spüren heute auch in diesem Gottesdienst, komm uns stärkend und ermutigend nahe in deinem Wort.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.

Lesung: 1.Mose 50,15-21

Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben.

Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als man ihm solches sagte.

Und seine Brüder gingen selbst hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

Lied: Wie ein Fest nach langer Trauer (EG 666,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein off'nes Tor in einer Mauer, für die Sonne auf gemacht. Wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß, wie ein Blatt an toten Zweigen, ein-ich-mag-dich-trotzdem-Kuss.

Ref: So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n. 2x

2) Wie ein Regen in der Wüste, frischer Tau auf dürrem Land,

Heimatklänge für Vermisste, alte Feinde Hand in Hand.

Wie ein Schlüssel im Gefängnis, wie in Seenot - Land in Sicht,

wie ein Weg aus der Bedrängnis, wie ein strahlendes Gesicht.

Ref: So ist Versöhnung…

3) Wie ein Wort von toten Lippen, wie ein Blick der Hoffnung weckt, wie ein Licht auf steilen Klippen, wie ein Erdteil neu entdeckt. Wie der Frühling, wie der der Morgen, wie ein Lied wie ein Gedicht, wie das Leben, wie die Liebe, wie Gott selbst das wahre Licht

Ref: So ist Versöhnung…

Predigtgedanken zu Römer 12,17-21 (Audio Datei zum MITHÖREN)

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Dieser Schlussvers aus unserem Predigttext heute hat in mir weiter geklungen. Zum einen weil er vor einigen Jahren Motto eines Kirchentages war und der Jugendchor, mit dem ich damals unterwegs war, dazu einen Kanon zu Gehör brachte. Diesen Kanon hatte ich in den letzten Tagen wie einen Ohrwurm dabei! Zum anderen aber ist das für mich der zentrale Satz in diesem Abschnitt und auch wie eine Überschrift über dem Sonntag heute!

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Natürlich verknüpfen wir diese Worte zunächst einmal mit der Schriftlesung heute: Josef, der seinen Brüdern vergibt.

Wir kennen die Geschichte – und die Kinder in der Grundschule fiebern jedes Mal mit, wenn ich sie erzähle:

Josef, der Träumer, der seinen Brüdern so auf die Nerven geht, dass sie einen Plan gegen ihn aushecken. Josef, das Lieblingskind des Vaters, den sie einfach nur loshaben wollen. Oder ihm zumindest einen ordentlichen Denkzettel verpassen.

Sie verkaufen ihn als Sklaven nach Ägypten, wo er Höhen und Tiefen erlebt, aber dann zu einem mächtigen Mann wird, der schlussendlich sogar seiner Familie in der Hungersnot helfen kann.

Als die Brüder Josef nach vielen Jahren wieder treffen, haben sie Angst. Angst, er würde ihnen nun alles heimzahlen, was sie ihm angetan haben. Doch das tut Josef nicht. Nein, er ist sogar zutiefst erschüttert, dass seine Brüder ihm das zutrauen.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Dann musste ich in diesen Tagen beim Erfinden der Wolli-Geschichte daran denken. Ich hatte von einem kleinen Jungen aus der Gemeinde Bilder von seinem Drachen geschickt bekommen, die ich in eine Geschichte verwandeln sollte. Um das tun zu können, musste ich mich erst „weiterbilden“ über jenen Drachen, der aus einem Kinderfilm stammt: Der Film beginnt, wie die Drachen und die Wikinger einander bekämpfen. Jagd auf die Drachen, das ist sozusagen das Tagesgeschäft der Wikinger in dem Film.

Ein Wikingerjunge trifft – eher zufällig – einen besonderen Drachen und verletzt ihn schwer. Doch anstatt den Kampf für sich zu entscheiden, geht er her und verarztet den Drachen, pflegt ihn gesund, zähmt ihn und sie werden zu unzertrennlichen Freunden.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Ja, mit solchen Geschichten können wir diesen Vers gut verstehen. Und ganz christlich gedacht, hören wir auch gleich die Worte Jesu mit: wenn dir einer auf die rechte Wange schlägt, halte ihm auch die linke hin…

Eine Anweisung, die einem nicht immer so leicht fällt und auch nicht unbedingt immer gut gefällt. Denn es klingt in unseren Ohren danach, dass wir als Christen immer lieb und nett sein sollen und alles hinnehmen müssen. Wie ein geduldiges Schaf. Auch in unserem Predigtabschnitt klingt das ja an: „Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“

Aber dann klingt da noch etwas anderes an – nur wenige Verse später: „wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln“

Das klingt nun gar nicht mehr nach geduldigem Schaf.

Ich tu dem anderen Gutes – so, dass es ihm Leid tut, wie er mit mir umgegangen ist? Ich tu dem anderen Gutes und entzieh ihm so die Möglichkeit, gegen mich anzugehen?

Das ist ein bisschen so, wie wenn früher die Mutter sagte: „Lass die anderen doch einfach reden. Wenn du dich nicht aufregst, hören sie schon von allein auf, weil es ihnen keinen Spaß mehr macht.“

Natürlich muss man da auch die Situation der Gemeinde in Rom im Blick haben: Sie erleben als Christen Unterdrückung und Verfolgung durch den römischen Herrscher. Wenn sie nun auch noch untereinander in Konflikte geraten, schwächen sie sich noch mehr. Sie müssen zusammen halten – gegen die Bedrohung von außen!

Zugleich müssen sie achtsam sein: sie sollen an ihren Überzeugungen festhalten, aber dem Feind auch nicht zusätzlichen Grund an die Hand geben, sie zu verfolgen.

„Seid klug wie die Schlangen“, würde Jesus ihnen wohl sagen.

Aber bei der Beschäftigung mit unserem Predigttext habe ich für mich noch etwas anderes entdeckt, wie man es auch lesen und verstehen kann:

In unserer Welt geschieht viel Ungerechtigkeit. Und es gibt viele, die mit Worten aber auch mit konkretem Verhalten gegen andere vorgehen, gegen sie hetzen.

In so einem Fall meinen die Worte aus dem Römerbrief sicher nicht, dass wir dem einfach stumm und lieb zuschauen, damit die Dummheit, Ignoranz und Diskriminierung weiter Raum einnimmt. Nein, da muss ich das Böse überwinden, indem ich für das Gute, das Richtige, die Gerechtigkeit eintrete!

Oder denken Sie an die Flüchtlinge, die immer noch unterwegs sind – zu Land und zu Wasser. Und wir müssen davon ausgehen, dass sich das durch die aktuelle Krise nochmal verstärken wird.

Die Bedingungen, unter denen diese Menschen versuchen einen sicheren Hafen zu erreichen, sind menschenunwürdig – und es gibt immer wieder Verfahren gegen einzelne Menschen und Organisationen, die z.B. solchen Flüchtlingsschiffen zu Hilfe kommen und sie an Land bringen.

Diese Menschen überwinden die Grenzen der Ablehnung und des Egoismus durch ihre Menschenfreundlichkeit.

Oder denken Sie an die verschiedenen Varianten von Gewalt, die Menschen zugefügt wird – manchmal sogar im vermeintlichen Schutzraum der Familien. Das darf man auf gar keinen Fall hinnehmen – sondern muss dagegen vorgehen – je nach Situation auch hart und unversöhnlich.

Das „Böse“ ist ja nicht immer das, was mir an Leid zugefügt wird. Nicht nur die Konflikte, mit denen ich mich konfrontiert sehe. Nein, das „Böse“ kommt ja oft in ganz unterschiedlichen Gewändern daher. Und manchmal muss man wirklich genau hinhören und hinschauen, um es zu erkennen.

Auch in der Bibel gibt es Böses, das nicht einfach so hingenommen wird. Es gibt die Geschichten in der Bibel, wo dann Gott als Rächer auftritt und gleich für Ordnung sorgt – oder spätestens im Jüngsten Gericht. Es gibt Böses, wo die Christen aufgerufen sind, Widerstand zu leisten.

Aber auch dieser Widerstand ist dann ein anderer als mit gleicher Münze zurückzuzahlen und die Gewaltspirale weiter zu treiben.

In den Erzählungen von Jesus ist das immer wieder gut abzulesen: er zieht kein Schwert gegen seine Verfolger – aber er rückt auch nicht von seiner Meinung ab. Er benennt Unrecht, tritt für das Gute ein – und ist darin auch heftig unbequem für die Mächtigen seiner Zeit.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Sie sehen: in diesem Vers steckt vielmehr drin als man beim ersten Hören vermutet. Und wenn man es in alle Lebensbereiche persönlich und gesellschaftlich überträgt, dann könnte er auch viel in unserem Leben und in unserer Gesellschaft verändern.

Dann! Wenn dieser Gedanke von vielen getragen und gelebt wird – friedlich, unbequem und gerade darin beständig im Kampf für das Gute! Amen.

Lied: Wo Menschen sich vergessen (NL 93,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

2) Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde…

3) Wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden und neu

beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde…

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Guter Gott,

wir wollen uns nicht vom Bösen überwinden lassen.

So bitten wir dich um Kraft, Gutes zu tun für die Menschen, die Leid erfahren – in den Krisen- und Katastrophengebieten unserer Zeit.

Wir bitten dich um Beherztheit, das Wort zu ergreifen für die Menschen, die Unrecht und Ablehnung erfahren – auch in unserem Land.

Wir bitten dich um Phantasie, wie wir Frieden schaffen können in unserem unmittelbaren Umfeld aber auch in unserer Welt.

Wir bitten dich um Ausdauer, damit wir für die Menschen da sein können, die uns brauchen.

Wir bitten dich um das rechte Maß, dass wir spüren, wann wir ertragen und wann wir uns wehren müssen.

Und alles, was uns persönlich bewegt, bringen wir in der Stille vor dich… (STILLE)

Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden. Amen.

Lied: Herr, wir bitten, komm und segne uns (EG 610,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)

Refrain: Herr, wir bitten: Komm und segne uns; lege auf uns deinen Frieden. Segnend halte Hände über uns.

Rühr uns an mit deiner Kraft.

1) In die Nacht der Welt hast du uns gestellt, deine Freude auszubreiten. In der Traurigkeit, mitten in dem Leid,

lass uns deine Boten sein.

Refrain: Herr, wir bitten: Komm und segne uns…

2) In die Schuld der Welt, hast du uns gestellt,

um vergebend zu ertragen, dass man uns verlacht,

uns zu Feinden macht, dich und deine Kraft verneint.

Refrain: Herr, wir bitten: Komm und segne uns…

3) In den Streit der Welt hast du uns gestellt, deinen Frieden zu verkünden, der nur dort beginnt, wo man, wie ein Kind,

deinem Wort Vertrauen schenkt.

Refrain: Herr, wir bitten: Komm und segne uns…

4) In das Leid der Welt hast du uns gestellt, deine Liebe zu bezeugen. Lass uns Gutes tun und nicht eher ruhn,

bis wir dich im Lichte sehn.

Refrain: Herr, wir bitten: Komm und segne uns…

Dieser Gottesdienst wird von Pfrin. Ute Braun „analog“ am Sonntag um 10 Uhr in unserer Lichtenauer Kirche gehalten.




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