• Ute Braun

Kirche - Daheim (6. Sonntag nach Trinitatis)

Aktualisiert: Juli 19


Kirche - Daheim! - Haus-Gottesdienst

am 6. Sonntag nach Trinitatis, den 19.7.2020


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).

Eröffnung: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der 6. Sonntag nach Trinitatis ist in unserer Kirche traditionell der Sonntag, an dem wir an unsere Taufe erinnert werden.

Für Martin Luther war das schon ein wichtiger Gedanke, dass wir immer wieder „unter unsere Taufe zurückkriechen“ können. Dass wir uns daran erinnern lassen, was uns bei unserer Taufe zugesagt wurde: Tod des Alten, Möglichkeit neu zu beginnen und anders zu leben – und Gottes Begleitung in allen Höhen und Tiefen unseres Lebens.

Der Psalm 139 nimmt auf seine Weise diese Gedanken auf:

Psalm 139 (NL 966.1)

HERR, du erforschest mich und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, HERR, nicht alles wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,

ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,

und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da;

bettete ich mich bei den Toten,

siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte

und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen

und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein –,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,

und die Nacht leuchtete wie der Tag.

Finsternis ist wie das Licht.

Eingangsgebet:

Gott des Lebens,

du kennst uns. Du bist um uns.

Von allen Seiten umgibst du uns.

Als wir getauft wurden, hast du versprochen, bei uns zu sein und mit uns zu gehen durch Licht und Finsternis.

Vor dir brauchen wir uns nicht zu verstecken.

Ehrlich und gütig schaust du auf unser Leben.

Schenke uns heute in diesem Gottesdienst deine Nähe.

Tröste uns und richte uns auf. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.

Lesung: Mt 28,16-20

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Lied: Ich bin getauft auf deinen Namen (EG 200,1+2+4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt; Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2) Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt; du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt; du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein.

4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn überschreite, so lass mich nicht verloren gehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan.

Predigtgedanken zu 5. Mose 7,6-9 (Audio Datei zum MITHÖREN)

Unser Predigttext heute steht im 5.Buch Mose. Das Volk Israel hatte ihre 40jährige Wanderung durch die Wüste hinter sich und war kurz davor das von Gott verheißene Land zu erreichen.

Vielleicht konnten sie es von ihrem Lagerplatz aus sogar schon sehen: drüben auf der anderen Seite des Jordans.

Die meisten von denen, die vor 40 Jahren aus Ägypten ausgezogen waren, lebten nicht mehr. Ihre Kinder und Enkel waren es nun, die in das neue Land ziehen sollten.

Ja, selbst Mose sollte nicht mehr zu denen gehören, die das versprochene Land betreten.

Zeit also für Mose noch ein paar Worte an sein Volk zu richten – sie daran zu erinnern, was hinter ihnen liegt – und sie einzuschwören auf ihren Glauben, auf ihren Gott. Auf den Gott, der sie auf dem ganzen Weg begleitet und geführt hat.

Ja, in seiner Rede reist Mose durch die ganze Zeit zurück:

„Erinnert euch, was euch eure Eltern erzählt haben: wir waren Sklaven gewesen in Ägypten – bis Gott uns herausgeführt hat! Er hat uns vor unseren Feinden gerettet, als wir trockenen Fußes durchs Schilfmeer zogen und unsere Feinde darin ertranken. Er hat uns auf dem ganzen langen Weg durch die Wüste mit Nahrung versorgt – und er hat uns Gesetze an die Hand gegeben, die uns dabei helfen sollten, unser Zusammenleben in guter Weise zu gestalten.

Herausforderungen gab es genug. Geschimpft haben wir auch genug und die Regeln haben wir oft genug gebrochen – und dass wir so viele Jahre in der Wüste herumirrten, haben wir uns selbst zu verdanken.

Aber schaut: Gott hat sein Versprechen gehalten. Da drüben ist das versprochene Land! Es ist bewohnt. Natürlich ist es das! Aber so wie Gott uns bis hierher geholfen hat, so wird er uns auch dabei helfen, im neuen Land Fuß zu fassen.

Gott ist treu – er hält seine Versprechen!“

Ob es Mose selbst wundert, dass Gott ihnen so treu zu Seite stand über all die Jahre? Auch in all den Situationen, wo sie sich jetzt nicht gerade als besonders glaubensfest und gesetzestreu gezeigt hatten? Vielleicht. Zumindest würden die folgenden Worte, die unseren Predigttext heute bilden, dazu passen:

„Ihr seid ein Volk, das ausschließlich dem HERRN gehört. Der HERR, euer Gott, hat euch unter allen Völkern der Erde ausgewählt und zu seinem Eigentum gemacht. Das tat er nicht etwa, weil ihr größer seid als die anderen Völker – ihr seid vielmehr das kleinste unter ihnen! Nein, er tat es einzig deshalb, weil er euch liebte und das Versprechen halten wollte, das er euren Vorfahren gegeben hatte. Nur deshalb hat er euch herausgeholt aus dem Land, in dem ihr Sklaven wart; nur deshalb hat er euch mit seiner starken Hand aus der Gewalt des Pharaos befreit. Er wollte euch zeigen, dass er allein der wahre Gott ist und dass er Wort hält. Er steht zu seinem Bund und erweist seine Liebe bis in die tausendste Generation an denen, die ihn lieben und seine Gebote befolgen.“

Aus Moses Sicht gibt es nur einen Grund, warum Gott seinem Volk die Treue hält: weil er es liebt!

Nicht weil sie größer sind als andere oder toller oder stärker oder mächtiger oder glaubensstärker – nein, einfach nur weil er sie liebt!

Wer Kinder hat oder Geschwister, der kann diese Worte gut nachvollziehen: wie oft buhlen Geschwister um die Anerkennung der Eltern. Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit, wer wird mehr gelobt, wer darf mehr, wer ist größer oder stärker? Sind es die ältesten Geschwister oder doch die Kleinen oder gar der Nachzügler?

Eine Rivalität, die sich auch in unserem weiteren Leben fortsetzt: in der Schule, in der Ausbildung, im Studium, im Beruf – ja sogar in der Partnerschaft.

Wie muss ich sein, damit der andere mich schätzt?

Was muss ich leisten, damit ich gelobt werde oder noch besser: geliebt?

Und was passiert, wenn ich Fehler mache, wird mir dann die Anerkennung oder gar die Liebe entzogen?

Diese Fragen aus den Familiensystemen haben sich auch in den Geschichten Israels niedergeschlagen: in ihren Rivalitäten mit den angrenzenden Völkern, mit den fremden Religionen und auch mit den Menschen, die in dem Landstrich wohnen, den sie nun besiedeln wollen.

Und liegen diese „Rivalitäten“ um Macht und Anerkennung nicht auch unter den meisten Konflikten heutzutage zwischen Menschen, Völkern und Religionen?

Der HERR, euer Gott, hat euch unter allen Völkern der Erde ausgewählt und zu seinem Eigentum gemacht. Das tat er nicht etwa, weil ihr größer seid als die anderen Völker – ihr seid vielmehr das kleinste unter ihnen! Nein, er tat es einzig deshalb, weil er euch liebte und das Versprechen halten wollte, das er euren Vorfahren gegeben hatte.“

Die Treue, Begleitung und Hilfe Gottes ist nicht davon abhängig, wie groß, wie stark, wie mächtig sein Volk ist – so sagt es Mose seinem Volk! Ein Trost, eine Beruhigung, wenn die Herausforderungen zu groß werden – eine „Begradigung“ wenn sie sich über andere erheben.

Dass diese Worte bis heute daran mit Schuld sind, dass im Nahen Osten nach wie vor um Gebietsrechte gestritten wird, konnte Mose nicht ahnen…

Was er sagen wollte war: nicht, was ihr seid oder habt oder leistet, ist für Gott entscheidend – entscheidend ist nur, dass er euch liebt!

Und dieser Gedanke ist es dann auch, der diese Worte des Mose mit unserem Taufgedächtnissonntag heute verbindet?

Wir glauben: dass wir durch Jesus Christus und durch unsere Taufe zu diesem Volk hinzugenommen wurden, zu dem Mose da spricht. Wir sind zwar die Nachzügler in der Familie, aber wir gehören dennoch zu Gottes Volk.

Das gilt für uns als Christen insgesamt.

Das andere aber ist, glaube ich, für uns viel entscheidender:

Bei unserer Taufe wurde uns zugesagt, dass wir von Gott geliebt sind, dass wir „sein Kind“ sind. Und das wurde den meisten von uns zu einem Zeitpunkt im Leben gesagt, wo wir noch gar nichts dafür tun konnten – weil wir noch viel zu klein waren.

Es wurde keine Leistung von uns gefordert – kein: ich taufe dich, wenn... du wirst Gottes geliebtes Kind sein, wenn… Sondern es hieß ganz einfach: ich taufe dich. Punkt! Du bist Gottes geliebtes Kind. Punkt!

Bei unserer Taufe – so glauben wir – schloss Gott mit jedem einzelnen von uns seinen Bund! Da versprach er uns, dass er uns treu zur Seite steht – egal was kommt.

Und seither ist er mit uns unterwegs – in den entspannten und schönen Zeiten, wo wir - im übertragenen Sinn - an einem schönen Fluss lagern und die Aussicht genießen – oder wenn wir uns auf den Höhen unseres Lebens befinden und uns Gott besonders nahe fühlen – aber auch wenn das Wasser uns bis zum Hals steht – oder die dürren Wüstenpfade unseres Lebens einfach kein Ende nehmen wollen.

Im Vielerlei des Lebens merken wir das nicht immer, dass Gott bei uns ist – und wenn die Wüstenpfade uns besonders erschöpfen, können wir es auch nicht immer glauben – aber wenn wir, wie Mose es mit seinem Volk macht, zurück­schauen, was wir mit unserem Gott erlebt haben, dann können wir es doch entdecken: wo uns geholfen, wo wir bewahrt, wo wir geführt wurden…

Und genau dazu lädt uns dieser Sonntag heute ein – uns daran zu erinnern, was uns bei unserer Taufe zugesagt wurde – auf unserem Lebensweg bis heute Spuren der Begleitung Gottes entdecken – und im Vertrauen darauf, dass er auch weiterhin an unserer Seite sein wird, unseren Weg vertrauensvoll weitergehen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

Lied: Nun jauchzt dem Herren (EG 288,1-3+5+7) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Nun jauchzt dem Herren alle Welt! Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt, kommt mit Frohlocken, säumet nicht, kommt vor sein heilig Angesicht.

2) Erkennt, dass Gott ist unser Herr, der uns erschaffen ihm zur Ehr, und nicht wir selbst: durch Gottes Gnad ein jeder Mensch sein Leben hat.

3) Er hat uns ferner wohl bedacht und uns zu seinem Volk gemacht, zu Schafen, die er ist bereit zu führen stets auf gute Weid.

5) Dankt unserm Gott, lobsinget ihm, rühmt seinen Namen mit lauter Stimm; lobsingt und danket allesamt. Gott loben, das ist unser Amt.

7) Gott Vater in dem höchsten Thron und Jesus Christ, sein ein‘ger Sohn, samt Gott, dem werten Heilgen Geist, sei nun und immerdar gepreist.

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Gott der Liebe, du hast uns zu deinem Volk erwählt und uns in unserer Taufe deine liebevolle und treue Begleitung zugesagt.

Wir bitten dich für die Menschen, die deine Liebe nicht spüren. Die sich von dir und von allen Menschen verlassen fühlen, lass sie erfahren, dass sie deine geliebten Kinder sind.

Wir bitten dich für alle, die keinen Frieden finden mit ihren Geschwistern, Kindern, Eltern, Nachbarn oder Weggefährten – zeige ihnen Wege, auf denen Versöhnung möglich ist.

Wir bitten dich für die unterschiedlichen Völker, Nationen, Religionen und religiöse Gemeinschaften, die so oft darum buhlen, wer die Besseren sind und sich übereinander erheben. Lass sie erkennen, dass sie alle auf ihre Weise deine Geschöpfe sind und in deinen Augen keiner mehr oder weniger wert ist als der andere.

Gott, seit unserer Taufe begleitest du uns – nicht immer ist uns das bewusst, nicht immer können wir es spüren. So bitten wir für alle, die es gerade schwer haben, dass sie deine liebevolle und heilende Nähe spüren können, damit sie aufatmen und neu zu leben beginnen.

Und alles, was uns persönlich bewegt, bringen wir in der Stille vor dich… (STILLE)

Vater unser im Himmel…

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

Amen.

Lied: Der Herr segne dich, behüte dich (NL 118) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


Refrain: Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir und der Herr sei dir gnädig!

Er erhebe sein Angesicht über dich und erfülle dein Herz mit seinem Licht, tiefer Friede begleite dich.

1) Ob du ausgehst oder heimkommst, ob du wach bist oder schläfst, sei gesegnet und gestärkt durch seinen Geist.

Ob du in das Tal hinab schaust oder Berge vor dir stehen,

mögest du den nächsten Schritt in seinem Segen gehen!

Refrain: Der Herr segne dich, behüte dich

2) Ob die Menschen, die Du liebst, dies erwidern oder nicht,

sei ein Segen durch die Gnade deines Herrn. Ob die Träume, die du träumtest noch verheißungsvoll bestehen oder längst schon nicht mehr für dich wie ein Traum aussehen.

Refrain: Der Herr segne dich, behüte dich

Friede mit dir! Friede mit dir!

Refrain: Der Herr segne dich, behüte dich

Dieser Gottesdienst wird von Pfrin. Ute Braun „analog“ am Sonntag um 10 Uhr in unserer Lichtenauer Kirche gehalten.


13 Ansichten