• Ute Braun

Kirche - Daheim (7. Sonntag nach Trinitatis)


Kirche - Daheim! - Haus-Gottesdienst

am 7. Sonntag nach Trinitatis, den 26.7.2020


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).

Eröffnung: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 107 (NL 953.1)

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN,

die er aus der Not erlöst hat,

die er aus den Ländern zusammengebracht hat

von Osten und Westen, von Norden und Süden.

Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,

und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

die hungrig und durstig waren

und deren Seele verschmachtete,

die dann zum HERRN riefen in ihrer Not

und er errettete sie aus ihren Ängsten

und führte sie den richtigen Weg,

dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,

dass er sättigt die durstige Seele

und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Eingangsgebet:

Gott, wir kommen zu dir, so wie wir sind – mit allem, was uns froh macht, mit allem, was uns traurig macht.

Alles Schwere und Schöne bringen wir vor dich – das, was gelungen ist und das, wo wir gescheitert sind. Wir bringen auch das mit, wonach wir uns sehnen – die Leere in uns trotz aller Fülle und unseren Hunger nach Leben…

Freundlicher Gott, du weißt um all das, was wir mit uns tragen. Auch das, was wir nicht in Worte fassen können.

Du weißt, wie schwach und klein unser Vertrauen oft ist und wie oft wir aufgeben. Umhülle uns mit deiner Liebe und schenke uns, was wir zum Leben brauchen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.

Lesung: Johannes 6,1-15

Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.

Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele? Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.

Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten. Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.

Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.


Lied: Nun lasst uns Gott dem Herren (320,1-4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren für alle seine Gaben, die wir empfangen haben.

2) Den Leib, die Seel, das Leben hat er allein uns geben;

dieselben zu bewahren, tut er nie etwas sparen.

3) Nahrung gibt er dem Leibe; die Seele muss auch bleiben,

wiewohl tödliche Wunden sind kommen von der Sünden.

4) Ein Arzt ist uns gegeben, der selber ist das Leben;

Christus, für uns gestorben, der hat das Heil erworben.

Predigtgedanken zu Johannes 6,1-15 (Audio Datei zum MITHÖREN)

Als ich den Evangeliumstext für den heutigen Sonntag gelesen habe, wurde ich spontan an eine Bibelarbeit erinnert, die ich vor einigen Jahren zu diesem Text miterlebt hatte.

In Form eines Bibliologs näherten wir uns damals diesem Text an.

Bei dieser Methode ist es so, dass man sich in gewisser Weise in die Rollen der einzelnen Personen hineindenkt. Ja, man schlüpft sozusagen ganz in diese andere Rolle hinein und formuliert, was diese Person nun denkt, fühlt oder sagt.

Es gibt da keine falsche Antwort – sondern alles bleibt so stehen, wie es formuliert wird und öffnet einem neue Blickwinkel auf einen Text – sogar auf so einen sehr vertrauten wie die Speisung der 5000.

So schlüpft man z.B. in die Rolle von Jesus. Er hatte mit seinen Jüngern Ruhe gesucht – Abstand von allem Trubel – und war mit seinen Jüngern auf die andere Seeseite gegangen – weg von allem Betrieb. Doch die Ruhe hielt nur kurz an – denn die Leute liefen ihnen nach.

Wie ging es Jesus wohl? War er erschöpft? Hat er sich geärgert, als die Leute ihm hinterherkamen und ihm keine Ruhe ließen? Oder war er auch irgendwie berührt davon, dass die Menschen so sehr seine Nähe suchen und brauchen, dass sie sogar die Strapaze des Weges auf sich nehmen?

Was genau erwarten sie von ihm? Kann er all diese Erwartungen erfüllen?

Und eine Frage beschäftigt ihn sofort: Wie kann man all diese Menschen satt bekommen?

Mit ganz handfester Nahrung – aber auch mit allem anderen, was sie suchen? Seine Jünger fragt er danach, wo sie Essen kaufen können – aber ist es nicht eigentlich viel mehr, was die Leute bei ihm suchen?

Dann schlüpft man in die Rolle der Menschenmenge. Sie hatten gesehen, dass Jesus weggegangen war. Aber anstatt ihn in Ruhe zu lassen, folgten sie ihm. Gingen um den See herum.

Sie wollen ihn hören, suchen seine Nähe, brauchen seine Hilfe. Aber es war ein weiter Weg und jetzt sind sie erschöpft und Hunger haben sie auch.

Der Heimweg ist weit – und auch das nächste Dorf, in dem sie was kaufen könnten. Sie haben Hunger – aber sie wollen auch nicht weggehen. Jesus hat ihnen so viel zu geben, was ihnen gut tut… Was sollen sie nur tun?

Da ist ein Junge, der hat 5 Brote und 2 Fische.

Was die Menschen wohl denken, als sie das hören. Ob sie den Jungen innerlich auslachen: wie soll das denn reichen für so viele! Sie brauchen doch viel mehr! Viel viel mehr – und wohl auch nicht nur Brot und Fisch!

Ja, und dann schlüpften wir damals in jener Bibelarbeit auch in die Rolle der leeren Körbe. Das werde ich wohl nie vergessen – denn ich musste darüber doch sehr schmunzeln. Wie versetze ich mich denn in die Rolle der leeren Körbe? Doch dann blieb ich ausgerechnet an diesem Bild hängen. Wieso sind da überhaupt 12 leere Körbe. Wer trägt denn leere Körbe mit sich? Rund um den See? Wozu?

Aber dann hab ich so für mich gedacht: eigentlich geht es uns ja oft so – wir sind leere Körbe. Immer wieder müssen wir gefüllt werden… Mit Nahrung, mit Worten, mit Lebenssinn und Hoffnung, mit Trost und Hilfe. Diese leeren Körbe brauchen es ebenso, dass man sie füllt – wie die hungrigen Menschen bei Jesus – wie die hilflosen Jünger, die sich dieser erwartungsvollen Menge gegenüber sehen. Wie Jesus, der doch weggegangen war, um seine Ruhe zu haben!

Wie kann man all denen das geben, was sie brauchen?

Und dann geschieht das Wunder! Johannes erzählt nicht, was genau passiert ist – er erzählt nur: alle bekamen das, was sie brauchten. Jesus und seine Jünger können so viel verteilen, dass es für alle reicht. Die Menschen bekommen nicht nur seelische Nahrung an diesem Tag – sondern werden auch ganz konkret mit Brot und Fisch gesättigt. Ja sogar die 12 leeren Körbe sind am Ende gefüllt bis zum Rand.

Ganz egal, wie wir diese Geschichte zu erklären versuchen – es bleibt ein Wunder…

Ob doch noch mehr Menschen Essen dabei hatten und bereit waren, miteinander zu teilen? Ob jeder nur so viel gegessen hat, wie er wirklich braucht und nicht mehr? Oder ob auf wundersame Weise die Hände von Jesus und den Jüngern gefüllt wurden, so dass es für alle reichte? Das erfahren wir alles nicht – und es scheint auch keine Rolle zu spielen. Es wird nur festgehalten: es reicht für alle – es ist sogar noch so viel übrig, dass auch noch die leeren Körbe gefüllt werden können…

Die Stärke dieser Methode des Bibliologs ist, dass man sich in verschiedene Rollen hineinversetzt. Fast unbemerkt nimmt man dabei genau das für sich aus dem Text mit, was man gerade für sich braucht… Und das kann sich auch immer wieder ändern!

Vielleicht finden wir uns in der Rolle von Jesus und seinen Jüngern wieder, die eigentlich erschöpft sind und ihre Ruhe suchen – aber spüren, dass ihr Einsatz nach wie vor gefordert ist – in der Familie, bei der Arbeit, in der Gemeinde.

Vielleicht sind auch wir solche Menschen, die gerade wirklich nicht wissen, wie sie die Erwartungen erfüllen sollen, die an sie gestellt werden – aber die zugleich so ein großes Pflichtgefühl haben, dass sie ihr Bestmöglichstes tun wollen? Dann wünschen wir uns, dass uns jemand die Hände füllt, mit dem was wir brauchen, für uns und andere!

Vielleicht finden wir uns auch in den Menschen wieder, die auf Jesus hoffen, die darauf vertrauen, dass er ihnen das gibt, was sie gerade brauchen: Hilfe, Heilung, Nahrung an Leib und Seele. Die auch mal ins Zweifeln kommen, weil die Hilfe auf sich warten lässt.

Dann wünschen wir uns, dass wir bei Gott das bekommen, was wir brauchen – Hoffnung, Glaube, Zuversicht – Nahrung für Leib und Seele.

Ja, vielleicht finden wir uns sogar in den leeren Körben wieder, wie ich damals. Wir fühlen uns leer – aus unterschiedlichen Gründen: Unsere Kraft ist verbraucht, weil wir Menschen pflegen oder begleiten müssen. Wir fühlen uns hilflos, weil wir uns von einem lieben Menschen trennen mussten – und nicht wissen, wie wir nun weitergehen sollen. Wir sind erschöpft, vor lauter Sorgen um uns oder um andere Menschen, die uns nahe stehen.

Dann wünschen wir uns sehnlichst, dass jemand kommt und diese Leere ausfüllt – dass jemand kommt und uns mit der Kraft, der Hilfe, der Stärke erfüllt, die wir brauchen.

Als alle satt sind, ist sogar noch etwas übrig – heißt es später.

Das Wunder in dieser Geschichte – es geschieht! Immer wieder! Auch heute noch! Doch oft merken wir es erst, wenn wir zurückschauen.

Gott gibt uns das, was wir brauchen – und zwar so viel wie wir brauchen.

So erleben wir vielleicht in einem Gottesdienst, dass unsere leeren Speicher aufgefüllt werden – und wir gestärkt und erfüllt heimgehen, weil wir etwas mitnehmen, das uns im Alltag begleitet. Uns begegnen Menschen, die mit uns teilen, was wir brauchen – Zeit und Hilfe, Aufmerksamkeit und Nahrung, Trost und Begleitung. Oder wir entdecken erst im Nachhinein, dass es uns tatsächlich gelungen ist, eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Wir können nicht mehr sagen, wie wir es geschafft haben aber es ist gelungen. Es war als hätte uns jemand die Hände genau im richtigen Moment gefüllt, damit wir das geben können, was von uns erwartet oder erhofft wurde.

Gott gibt uns, was wir zum Leben brauchen, erzählt diese Jesusgeschichte. Wir dürfen uns füllen lassen, wie leere Körbe. Wir dürfen Kraft sammeln wie die 5000 Menschen. Und wir dürfen auch austeilen an andere, weil Gott uns immer wieder neu Hände und Herzen füllt. Amen.

Lied: Wenn das Brot, das wir teilen (NL 86,1-4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1. Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

2. Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…

3. Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…

4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt, und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…

5. Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Herr, unser Gott, du gibst uns, was wir zum Leben brauchen – du gibst uns so viel, dass wir davon noch weitergeben können. Hab Dank dafür.

Wir bitten dich für die Menschen, die Hunger haben – nach handfester Nahrung, die sie satt macht. Aber auch für satte Menschen, die nach Sinn und Leben hungern.

Wir bitten dich für die Menschen, die nichts mehr von dir erwarten und für die, die schmecken und sehen wollen, wie freundlich du bist.

Wir bitten dich für alle, die einsam sind, für alle, die keinen Menschen haben, der mit ihnen teilt und lebt, und wir bitten dich für die, die von ihrer Fülle an andere weitergeben können und wollen.

Wir bitten dich für Menschen, die trauern – um ihr verpasstes Leben, um Lebensphasen, die vergangen sind, um einen Menschen, der Teil ihres Lebens war.

Wir bitten dich für die Menschen, die uns anvertraut sind;

für alle, die mit uns leben und für die wir dankbar sind; aber auch für alle, die es uns schwer machen. In der Stille nennen wir dir Namen, zeigen dir Gesichter

(STILLE)

Für alle genannten und vergessenen, für alle, an die niemand denkt, bitten wir dich – gib du, was sie zum Leben brauchen

Vater unser im Himmel…

Lied: Bewahre uns Gott (171,1-4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen (2x)

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten (2x)

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns vor allem Bösen. Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen (2x)

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen. Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen (2x)

Segen (Audio Datei zum MITHÖREN)

Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht über euch und gebe euch Frieden.

Amen.

Dieser Gottesdienst wird von Pfrin. Ute Braun „analog“ am Sonntag um 10 Uhr in der ev. Kirche in Scherzheim gehalten



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