Kirche - Daheim (8. Sonntag nach Trinitatis)


Kirche – Daheim!

Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern – für den 8. Sonntag nach Trinitatis, 02.08.2020

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).


Kerze anzünden

Stille

(Audio Datei zum MITHÖREN)

Angekommen im August. Mitten in der Trinitatis-Zeit.

Hell scheint sie, die Morgensonne, wenn sie frühs über die Felder kriecht. Sie leuchtet den ganzen Tag. Umgibt uns mit ihrem Licht und scheint abends für die Menschen auf der andern Seite dieser Welt. Die Sonne. Geschaffen von Gott, unserer Quelle des Lichts.

So feiern wir diesen Gottesdienst als Kinder seines Lichtes:

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Hell, strahlend, lobt der Psalm 48 Gott, den Herrn, der uns Menschen lenkt und führt.

Psalm 48

2 Groß ist der HERR und hoch zu rühmen

in der Stadt unsres Gottes, auf einem heiligen Berge.

3 Schön ragt empor sein Gipfel,

daran sich freut die ganze Welt.

9 Wie wir's gehört haben, so sehen wir's an der Stadt des HERRN Zebaoth, an der Stadt unsres Gottes: Gott erhält sie ewiglich.

10 Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.

11 Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.

12 Es freut sich der Berg Zion, und die Töchter Juda seien fröhlich um deiner Rechte willen.

13 Ziehet um den Zion herum und umschreitet ihn, zählt seine Türme;

14 habt gut acht auf seine Mauern, durchwandert seine Paläste, dass ihr den Nachkommen davon erzählt:

15 Dieser ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist's, der uns führet.

Gebet

Herr, dreieiniger Gott, du bist es, der uns durch unser Leben führt. Mit deinem Licht; als Licht bist du in diese Welt gekommen, um dunkle Wege und finstere Tage heller zu machen. Du trägst uns auf, dass auch wir Anderen ein solches Licht sein sollen. Doch es gibt Tage, da bleibt es dunkel in unserem Leben. Da können wir weder für Andere Licht sein, noch können wir selbst fühlen, dass du in unserem Leben mit deinem Licht strahlst.

Herr, dreieiniger Gott, in solchen dunklen Stunden, verlass uns nicht. Öffne unsere Sinne, dass wir Lichtblicke wahrnehmen und neue Leuchtkraft gewinnen für unser Leben und das der Anderen. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

Amen.

Biblischer Text: Johannes 9,1-7

1 Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. 2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? 3 Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. 4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

6 Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden 7 und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt

übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Lied: „Sonne der Gerechtigkeit“ EG 262, 1-5 (AUDIO Datei zum Mitsingen)

1) Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in Deiner Kirche an, daß die Welt es sehen kann. Erbarm Dich, Herr.

2) Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, daß sie Deine Stimme hört, sich zu Deinem Wort bekehrt. Erbarm Dich, Herr.

3. Schaue die Zertrennung an, der kein Mensch sonst wehren kann, sammle, großer Menschenhirt, alles, was sich hat verirrt. Erbarm dich, HERR!

4. Tu der Völker Türen auf, deines Himmelsreiches Lauf hemme keine List noch Macht! Schaffe Licht in dunkler Nacht! Erbarm dich, HERR!

5. Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut, laß Du reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen säen. Erbarm Dich, Herr.


Predigt zu Joh 9,1-7 (Audio Datei zum MITHÖREN)

Liebe Gemeinde.

Ein Lichtmoment. Auf den ersten Blick scheint alles klar. Ein Text aus dem Neuen Testament. Die Figuren: Ein Blinder. Jesus. Die Jünger. Beim blinden Mann ist es dunkel, weil ihm das Augenlicht fehlt. Von Geburt an. Dann die Begegnung mit Jesus, dem Licht der Welt. Er tritt ein in das Leben des blinden Mannes. Geheilt, jetzt kann er sehen. Alles klar. […] Alles klar?

Ich versetzte mich in den blinden Mann hinein. Dunkel und finster ist es in diesem Moment. Aber nicht, weil er blind ist. Daran hat er sich längst gewöhnt. Er kennt es ja nicht anders. Sieht mit anderen Sinnen. Ich stelle mir vor, dass es ein ganz normaler Tag ist. Es ist heiß. Mittagshitze. Er sitzt im Schatten. Hört, was sich auf den Straßen abspielt. Knarrende Wägen, normales Getümmel. Auf einmal kippt die Stimmung. Laute Rufe. Plötzlich schnelle Schritte. Er spürt den Luftzug. Staub im Gesicht. Halt! Da ist doch jemand stehen geblieben. Ist da jemand vor ihm stehen geblieben? Dann hört er wie der eine fragt. Die Worte brennen wie Zunder auf seiner Seele. Er kocht vor Wut. Will aufschreien. Dunkel ist es in diesem Moment. Nicht weil er blind ist. Sondern weil es weh tut, was sie über ihn sagen: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“

Die Jünger. Sie sehen. Und dennoch: Trübe und eingeschränkt ist ihr Blick. Dunkel, ohne Mitgefühl ist ihr Verhalten. Der Blinde als Person interessiert sie nicht. Sie fragen nicht: Wo kommst du her? Hast du Lust mit uns zu gehen? Nein, das, was sie interessiert ist Tratsch und Klatsch: „Wer hat Schuld? Was hat er falsch gemacht, dass Gott ihn so straft?“ Sie reden über ihn wie ein Objekt. Nicht auf Augenhöhe. Die Jünger sehen und sind doch blind. Begreifen nicht, um was es Jesus geht. Dass er von Gott gesandt ist. Mit Heil. Mit Licht. Um die Welt besser zu machen. Um die Menschen zum Glauben zu bringen, an einen Gott, der seine Kinder liebt, der sie annimmt und nicht straft. Ein Gott zu dem man kommen kann, wie man ist. […] Nichts haben sie begriffen. Die Jünger – sind sehend und doch blind.

Eine Szene ohne Licht. Düster ist es. Bei dem Blinden. Bei mir.

Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit im Gymnasium. Achte, neunte Klasse, sowas. Gern bin ich damals nicht in die Schule gegangen. Irgendwie hatte ich nie das Gefühl als würde ich dazu gehören, als würden sie sich wirklich für mich interessieren. Getuschelei konnte ich damals ganz schlecht ertragen. Dass sie über mich reden, statt sich mit mir zu unterhalten, damit hatte ich lange zu kämpfen.

Düster ist es. Bei den Jüngern. Bei mir. Sehend bin ich und doch blind. Schon wieder habe ich mich ertappt. Erst letzte Woche beim Spazierengehen in Bühl. Eine junge Frau schob ein Mädchen im Rollstuhl vorbei. Der Kopf des Mädchens lag leicht schräg. „Oh weh. Das arme Mädchen. Die armen Eltern. Sicher nicht leicht, mit so einer Krankheit zu leben.“ Und schon ist es passiert: Ich sehe und bin doch blind. Sehe nur die Krankheit und nicht das Mädchen mit all ihren Eigenschaften.

Düster ist es bei mir. Dunkel waren die Tage, als ich Abschied nehmen musste. Von meiner Oma, von meinem Cousin. Rauf und runter lief das Lied von Jupiter Jones. In einer Zeile heißt es: „So still, obwohl ich dich mit jedem Tag vermiss'; Und wo immer du auch gerade bist. Du zeigst mir, dass Stille jetzt dein Freund geworden ist.“ Nächte der Sehnsucht. Trauer die bleibt. Schmerz, der sich nicht in Worte fassen lässt.

Und dann platzt Jesus herein. Zugewandt, voller Licht. Genau in diesen Momenten verstreut er Glitzer und Glanz, schafft Lichtmomente.

Für die Jünger sind es die erhellenden Worte Jesu. Sie schaffen Klarheit. Jesus lenkt den Fokus weg von der Frage: „Wer hat gesündigt? Was hat der falsch gemacht? Was steckt da wohl dahinter?“ Nein! Jesus durchbricht die Frage der Jünger, indem er sagt: „Hallo, darum geht es nicht! Weder der Blinde noch seine Eltern haben gesündigt. Es tut nichts zur Sache, wer irgendetwas getan hat. Gott liebt den Mann, so wie er ist und er will jetzt ein Wunder an ihm tun! Diese Haltung gilt jedem Menschen: Du bist cool. Ich mag dich. Für dich will ich Licht sein. Daran sollen sich die Jünger ein Beispiel nehmen! Jesus macht klar: „Ihr seid mit mir unterwegs, dass wir Licht für Andere sind. Es werden Zeiten kommen, da bleibt es düster. Also – worauf wartet ihr? Seid selbst Licht für Andere!“

Für den blinden Mann sind es gleich zwei Lichtmomente. Er wird sehend. Rein körperlich gesehen, schenkt Jesus ihm sein Augenlicht. Aber das ist nicht alles: Jesus hat sein Innerstes berührt und mit Licht durchleuchtet. Am Ende des Kapitels wird das deutlich. Da fragt ihn Jesus: Glaubst du an den Menschensohn? Und er antwortet: Herr, ich glaube und bete an ihn. Ja, der Mann hat es begriffen: Jesus ist von Gott gesandt. Die Jünger brauchen bis nach Emmaus, um dort dem Auferstandenen zu begegnen und zu verstehen. Aber der Mann begreift es in diesem Moment: Jesus ist da, um die Welt jetzt ein Stückchen heller zu machen. Mit Licht und als Licht. Und er ist da, um auch dann noch zu leuchten, wenn die Tage düster werden.

Lichtmomente. Sie gibt es! Ich hab sie erfahren und ich erfahre sie auch heute noch, immer wieder.

In der Schule war es damals eine Freundin aus meinem Ort. Sie war zwei Klassen über mir. Ich hab ihr von meiner Klasse erzählt und der Getuschelei. Dann meinte sie: „Ist doch egal. Komm in der Pause einfach zu mir, wenn die anderen so blöd zu dir sind.“

Lichtmomente. Wenn ich anfange, über statt mit anderen zu reden, dann halte ich inne und frage mich: „Hätte Jesus das so gesagt?“ Dann versuche ich, mal die Sicht der Anderen einzunehmen und mich beim nächsten Mal besser zu verhalten und selbst Licht zu sein für andere!

Lichtmomente. Beim Abschiednehmen waren es Umarmungen, tröstende Worte von Freundinnen, die mir Licht und Hoffnung gegeben haben. Oder der Psalm 23, der mir auf einmal einfiel und mich ein Stückchen getragen hat. Kleine Lichtfunken, an die ich mich klammere, die meine Hoffnung aufflammen lassen. Dann weiß ich, Jesus ist da und er bleibt es auch – als Licht der Welt, heute und am Ende des Lebens. Für alle, die vor mir gegangen sind, und schließlich auch für mich. Irgendwann.

Amen.

Lied: „Du bist das Licht der Welt“, 1-2 (AUDIO Datei zum Mitsingen)

[Refrain]:

Du bist das Licht der Welt Du bist der Glanz der uns unseren Tag erhellt, Du bist der Freudenschein, Der uns so glücklich macht Dringst selber in uns ein. Du bist der Stern in der Nacht, Der allem Finsteren wehrt, Bist wie ein Feuer entfacht, Das sich aus Liebe verzehrt, Du das Licht der Welt. 1) So wie die Sonne stets den Tag bringt nach der Nacht, Wie sie auch nach Regenwetter immer wieder lacht, Wie sie trotz der Wolkenmauer uns die Helle bringt Und doch nur zu neuem Aufgeh'n sinkt. [Refrain] 2) So wie eine Lampe plötzlich Wärme bringt und Licht, Wie der Strahl und Nebelleuchte durch die Sichtwand bricht, Wie ein rasches Streichholz eine Kerze hell entflammt Und dadurch die Dunkelheit verbannt. [Refrain]

Fürbitt-Gebet (Audio Datei zum MITHÖREN)

Herr, großer Gott, du Licht der Welt,

wir bitten dich für alle Menschen, in denen es dunkel und finster ist. Für die Einsamen und Verlassenen.

Für die Sterbenden und Trauernden.

Für alle, die mit einer schweren Diagnose zu kämpfen haben.

Für diejenigen, die auf der Flucht sind, weil sie verfolgt werden oder weil in ihrem Land Krieg herrscht.

Für diejenigen, die nicht wissen, wie sie ihre Familie ernähren sollen.

Sei du Licht in ihrem Leben. Schenke Trost und Hoffnung. Hilf diese dunklen Tage durchzustehen.


Herr, Jesus Christus, du Licht der Welt,

wir bitten dich für alle Menschen, die ein blindes, trübes Herz haben. Für alle, die wegschauen und Andere verachten.

Für alle, die sich hasserfüllt und gewaltvoll Anderen gegenüber verhalten. Für all diejenigen, die Menschen ausbeuten. Berühre sie mit deiner Liebe, damit sie ihr Verhalten überdenken und lernen, ihre Nächsten mit Respekt zu behandeln.

Heiliger Geist, Strahlkraft des Lebens. Die letzten Wochen haben einiges von uns abverlangt und tun es zum Teil immer noch. Wie gut tut die Aussicht, auf etwas Erholung. Herr, wir bitten dich für diese Ferienzeit. Schenke Lichtmomente zum Auftanken. Behüte alle Reisenden auf ihren Wegen. Hilf, dass wir Menschen auch im Urlaub an den Abstands- und Hygieneregeln festhalten und gesund wiederkommen.

Dreieiniger Gott, du Licht der Welt, all diese Menschen und auch uns selbst befehlen wir dir an und schließen sie und uns ein in dein Gebet:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.


Lied „Herr, wir bitten: Komm und segne uns“ EG 610,1-3 (AUDIO Datei zum Mitsingen)

[Refrain]:

Herr, wir bitten: Komm und segne uns; lege auf uns deinen Frieden. Segnend halte Hände über uns. Rühr uns an mit deiner Kraft. 1. In die Nacht der Welt hast du uns gestellt, deine Freude auszubreiten. In der Traurigkeit, mitten in dem Leid, lass uns deine Boten sein. [Refrain] 2. In den Streit der Welt hast du uns gestellt, deinen Frieden zu verkünden, der nur dort beginnt, wo man, wie ein Kind, deinem Wort Vertrauen schenkt. [Refrain]

3. In das Leid der Welt hast du uns gestellt, deine Liebe zu bezeugen. Lass uns Gutes tun und nicht eher ruhn, bis wir dich im Lichte sehn.

[Refrain]

Segen (Audio Datei zum MITHÖREN)

Der HERR segne uns und er behüte uns.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der HERR hebe sein Angesicht über uns

und gebe uns Frieden.

Amen.

Kerze auspusten (oder noch eine Weile angezündet lassen ☺)


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