• Ute Braun

Kirche - Daheim (Erntedankfest)


Kirche – Daheim!

Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

für den Erntedankgottesdienst, 04.10.2020


Ein Gottesdienst zum Zuhause feiern

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).


Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 104 (NL 951)

Lobe den HERRN, meine Seele!

HERR, mein Gott, du bist sehr groß.

Du lässest Brunnen quellen in den Tälern,

dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,

dass alle Tiere des Feldes trinken

und die Wildesel ihren Durst löschen.

Darüber sitzen die Vögel des Himmels

und singen in den Zweigen.

Du tränkst die Berge von oben her,

du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.

Du lässest Gras wachsen für das Vieh

und Saat zu Nutz den Menschen,

dass du Brot aus der Erde hervorbringst,

dass der Wein erfreue des Menschen Herz

und sein Antlitz glänze vom Öl

und das Brot des Menschen Herz stärke.

Es wartet alles auf dich,

dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.

Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;

wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;

nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.

Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,

und du machst neu das Antlitz der Erde.

Ich will dem HERRN singen mein Leben lang

und meinen Gott loben, solange ich bin.


Eingangsgebet:

Es ist wahr, Gott,

ich habe in diesem Jahr gelebt

von all dem Guten, das du geschaffen hast,

von der Fülle, die du in die Dinge meines Lebens hineingelegt hast.

Ich habe gelebt von der Liebe meiner Nächsten,

die mir zuteil wurde, jeden Tag neu;

ich habe gelebt vom Licht des Morgens,

das die Müdigkeit verscheuchte;

ich habe gelebt von Worten anderer,

die mich mahnten oder mir wieder Mut machten;

ich habe gelebt vom Brot,

das andere für mich gebacken hatten.

Und deshalb will ich dir danken, Herr,

für die Fülle, die du in mein Leben hineingelegt hast,

für die Liebe, für das Licht des Morgens,

für die Worte anderer, für das Brot.

Ich will dir danken für alle Menschen,

die mein Leben so reich gemacht haben,

ein ganzes Jahr lang, mein ganzes Leben lang.

Amen.

Lied: Wir pflügen und wir streuen (508,1+2+4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)

1) Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land,

doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:

der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf

und träuft, wenn heim wir gehen,

Wuchs und Gedeihen drauf.

Refr.: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,

drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt

und hofft auf ihn!

2) Er sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein,

er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein

und bringt ihn dann behende in unser Feld und Brot:

es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.

Refr.: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,

drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt

und hofft auf ihn!

4) Er lässt die Sonn aufgehen, er stellt des Mondes Lauf;

er lässt die Winde wehen und tut den Himmel auf.

Er schenkt uns so viel Freude, er macht uns frisch und rot;

er gibt den Kühen Weide und unsern Kindern Brot.

Refr.: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,

drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt

und hofft auf ihn!

Predigtgedanken zu Prediger 3,1-8 von Nadine Kempf

Liebe Gemeinde.

Sukkot. Das kommt von dem hebräischen Wort סֻכָּה Sukka, und bedeutet Laubhütte. Sukkot, das ist das Laubhüttenfest, das unsere jüdischen Geschwister in dieser Woche feiern.

Für das Laubhüttenfest bauen jüdische Gläubige eine Hütte auf, aus Ästen, Zweigen, Laub, Stroh, Matten oder was sie sonst so finden. Aufgebaut im Wohnzimmer oder auf der Terrasse. Die Hütte soll an die Wüstenzeit erinnern. An die Zeit, in der das Volk Israel 40 Jahre lang durch die Wüste zog, ohne feste Wohnung, ruhelos. Aber auch an die Kraft und Hoffnung soll die Hütte erinnern. Jene Kraft, die das Volk Israel immer wieder von Gott geschenkt bekommen hat, um weiterzuziehen. Um die Wüstenzeit durchzustehen. Sozusagen eine Erinnerungshütte an Wüstenzeiten mit Gott als Kraftquelle und Wegbegleiter.

Angefangen am vergangenen Freitag feiern unsere jüdischen Geschwister dieses Fest eine Woche lang.

Aber, warum erzähle ich das alles? Sukkot ist nämlich – neben dem, was ich gerade schon gesagt habe – das jüdische Erntedankfest. Und in diesem Jahr liegt es parallel zu unserem Erntedankfest. Das ist eine Besonderheit.

Die Festrolle, die dem jüdischen Erntedankfest zugeschrieben ist, beinhaltet einen Text, den Sie alle kennen oder zumindest schon einmal gehört haben.

Ich lese aus dem Buch Kohelet oder auch Prediger Salomos genannt, aus dem 3. Kapitel:

Alles hat seine Zeit

1Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: 2Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; 3töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; 4weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; 5Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; 6suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; 7zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; 8lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Ein buntes Leben. Bunt wie die Blumen und Gaben hier vorne im Altarraum. Bunt wie die Farben im Herbst.

Ein buntes Leben schildert uns der Prediger. Eine Palette voll davon, was Leben ausmacht. 14 Paare ordnet der Prediger 7 Aspekten des Lebens zu.

Begonnen mit dem natürlichen Verlauf des Lebens. Geborenwerden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen. Gefolgt von Gewalt, die in Leben steckt: Töten und Heilen, Einreißen und bauen. Dann wendet er sich dem Innersten zu. Den Gefühlen, die tief in unserer Seele verankert sind: Lachen und Weinen. Klagen und Tanzen vor Freude. Dem schließt er den Aspekt der Geschlechtlichkeit an: Herzen und aufhören zu herzen. Steine werfen und sammeln, eine hebräische Metapher für körperliches Begehren.

Dazu kommt der Besitz, den er ausdrückt mit: Suchen und Verlieren. Behalten und Wegwerfen. Freilich, die Kommunikation darf nicht fehlen: Schweigen und Reden, Kleider zerreißen und sie danach auch wieder zunähen als Metapher für Streit und Versöhnung. Und als letzten Aspekt hat er die Beziehungserfahrungen im Sinn, die Leben ausmachen: lieben und hassen, Friede und Streit.

Eine klare Ordnung, die der Prediger hier an den Tag legt. Nicht einfach mal ein Brainstorming, was fällt mir denn so zu „Leben“ ein. Nein. Die Zahl sieben ist eine Zahl, die für Fülle und Ganzheitlichkeit steht. Sie verweist auf Gott. Gott, der die Welt in sieben Tagen schafft, der am siebten Tag ruht. Mit den sieben Aspekten des Lebens bringt der Prediger das Leben der Menschen mit Gott ins Schwingen. All das kann in eurem von Gott geschenkten Leben liegen.

Aus meiner Sicht hat der Prediger eine realistische Sichtweise auf das Leben. Er packt Gutes und weniger Gutes immer paarweise zusammen. Andauernd wechseln die Stimmungen in dem Text. Zurecht! Denn so ist es stimmig. Gutes und Weniger-Gutes liegen in unserem Leben oft eng beisammen. Wenn ich an die vergangene Woche denke, dann war sie ein bunter Strauß voller Leben: Von Taufvorbereitungen, Besuchen bei kranken Menschen, Reliunterricht bis hin zu einem Trauergespräch, bei dem ich dabei sein durfte. Und nicht zu vergessen, die Vorbereitungen auf dieses Erntedankfest und den bunten Nachmittag, durch den ich gestern geleitet habe. Viele Sträuße sind entstanden, die die Fülle des Lebens zum Ausdruck gebracht haben.

Bunt schreibt der Prediger. Bunt und geordnet. Eine Ordnung wie wir sie auch in der Natur kennen. Ich denke an die Getreide- und Maisfelder hier in Lichtenau. Körner in die Erde legen, warten bis sie keimen. Warten bis sie wachsen. Bis sie schließlich reif sind, geerntet zu werden. Alles hat seine Zeit. Pflanzen hat seine Zeit und Ausreißen hat seine Zeit. Alles in Ordnung.

Alles in Ordnung? Wenn ich mir die Berichte aus dem BT oder SWR aktuell anschaue, kriege ich ganz Anderes zu hören. Egal ob Dinkel, Roggen, Weizen, Mais - der Ertrag in den badischen Anbaugebieten ist im Vergleich zum Vorjahr um 10-15 Prozent zurückgegangen. Grund dafür ist - keine Frage – die lange Trockenheit. Unser Klima wandelt sich. Aber wir Menschen wandeln nicht mit. Zumindest nicht flächendeckend, länderübergreifend.

Alles in Ordnung? Ich blicke auf die ersten Zeilen zurück. Die Ordnung, von der der Prediger schreibt, sie ist eingebettet in Zeit. Übersetzt man nach dem Hebräischen, so heißt es: „<Es gibt> für alles eine gewisse Zeit, und Zeit <gibt es> für jedes Vorhaben unter dem Himmel:“ Zeit, die uns Menschen zur Verfügung steht, in der die Ordnung eingebettet ist.

Manchmal, da blicke ich zurück und denke: „Ja, es gibt für alles eine gewisse Zeit.“ Dann blicke ich auf bestimmte Lebensabschnitte. Z.B. die Zeit, in der ich im Faschingsverein aktiv war. (Ja ich weiß, hier heißt es Fasnet, aber es war eben die Zeit, in der ich noch daheim gewohnt habe.) Die Zeit in der ich studiert habe. Fasching, Studium, beides gute Zeiten. Beides Zeiten, die es gebraucht hat, die mich geordnet haben. Vor 10 Jahren war mir dieser schwarze Kittel (NK zeigt auf Talar) hier noch eher fremd. Jetzt trage ich ihn mit Stolz und Freude.

„<Es gibt> für alles eine gewisse Zeit“. Ja und dann gibt es Tage, da denke ich „Im Ernst? Muss dass jetzt sein?“ In Ordnung ist dann ganz und gar nichts mehr! Ich sage nur „Corona.“ Oder wenn ich lese, dass in Armenien und Aserbaidschan Kriegsstimmung herrscht. Dass – während ich mit acht anderen am Tisch sitze und Gott für das tägliche Brot danke – zur selben Zeit ein Magen auf der Welt leer bleibt. In Ordnung ist dann ganz und gar nichts mehr! Wenn ich höre, dass eines unserer Gemeindemitglieder an Krebs erkrankt ist. Oder wenn ich eine Frau im Seniorenheim besuche, die mir sagt: „Ich möcht' so gern sterben. Ich hab hier doch niemanden mehr.“

In Ordnung war ganz und gar nichts mehr als ein Freund von mir, Alex, mit 21 Jahren beim Autounfall ums Leben kam. Dann frage ich Gott: „Was sind das für Zeiten? Ich versteh es nicht.“ Dann kriegt Gott zu hören, was mich wütend macht. Dann klage ich. Weil unser Gott ein Gott ist, der Klagen erträgt und durch Wüstenzeiten führt, wenn ich wieder an das Volk Israel denke.

Für den Prediger ist es klar: „Der Mensch kann das (vollkommene) Werk Gottes nicht ergründen, weder Anfang noch Ende.“ (Pred 3,11). Wohl wahr. Aber wirklich tröstlich ist das für mich in solchen Momenten nicht.

Der Trost liegt für mich auch nicht in irgendeinem Kalenderspruch, sondern in Gott. Nichts, was geschieht, ist ohne Gott. Und: Gott hält neben dem Schweren immer auch noch etwas Anderes bereit für uns. Für mich sind das Freunde, die anrufen und fragen: Wie geht’s dir? Nachbarn, die über den Zaun ein Schwätzchen mit mir halten. Die unzähligen Sonnenuntergänge dieses Jahr im Sommer. Der Sternenhimmel mit seinem Glanz und den Schnuppen. Die Kekse, die eine Kollegin für mich gebacken hatte. Kekse in den Formen: Kreuz, Herz, Anker. Glaube, Liebe, Hoffnung. Lagen einfach so da, für mich. Mutmachende Postkarten. Die Einladung zum Abendessen. Das Lied „An guten Tagen“, das ich lauthals mitsinge.

Mein Bruder, der mich in den Arm genommen und mit mir geschwiegen hat.

Schülerinnen und Schüler des Windecks-Gymnasium in Bühl, denen der Klimawandel nicht egal ist, die zum Mikrofon greifen und appellieren: Lasst uns die Veränderung sein!

Manchmal ist das Schwere so groß, dass es mich blind macht. Vielleicht ist das Erntedankfest heute genau richtig, um meinen Blick zu heben. Heute richte ich ihn auf Gott, auf das Andere, was er mir schenkt. Das Andere, das neben dem Schweren besteht. Das Andere, das mein Leben bunt macht. Alles hat seine Zeit. Zweifeln hat seine Zeit und Danken hat seine Zeit. Und heute ist Zeit zu Danken.

Amen.

Lied: Schenk uns Zeit (NL 75,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


Refr.: Schenk uns Zeit, schenk uns Zeit, Zeit aus deiner Ewigkeit!

1) Zeit zum Nehmen, Zeit zum Geben, Zeit zum miteinander Leben.

Refr.: Schenk uns Zeit, schenk uns Zeit, Zeit aus deiner Ewigkeit!

2) Zeit zum Trinken, Zeit zum Essen, Zeit, um keinen zu vergessen.

Refr.: Schenk uns Zeit, schenk uns Zeit, Zeit aus deiner Ewigkeit!

3) Zeit zum Beten, Zeit zum Klagen, Zeit, dir, Gott, auch Dank zu sagen.

Refr.: Schenk uns Zeit, schenk uns Zeit, Zeit aus deiner Ewigkeit!

Schlussgebet:

Guter Gott,

heute feiern wir Erntedank! Wir schauen auf das, was wir ernten konnten: auf unseren Feldern und in unseren Gärten.

Wir danken dir für alles, was gewachsen ist, für die Menschen, die es anbauen und ernten und für die, die darauf die Lebensmittel herstellen, die wir täglich brauchen.

Wir schauen aber auch auf das, was wir ganz persönlich in unserem Leben ernten konnten:

An Glück und Erfolg, an Liebe und Dankbarkeit, an Treue und Freundschaft, an Begleitung und Bewahrung – auch durch dich.

Im Alltag achten wir so wenig darauf, was unser Leben reich und bunt macht – heute wollen wir dir dafür ganz bewusst Dank sagen!

Wir schauen aber auch auf das, was in unserem Leben und in unserer Welt nicht gut ist.

So bitten wir dich für unsere Schöpfung, die am Klimawandel mit allen Folgen leidet. Schärfe unser Bewusstsein, dass wir achtsam mit dem uns Anvertrauten umgehen, dass wir bewahren und nicht ausbeuten und zerstören.

Wir bitten dich für die Menschen in Not, die es auf der ganzen Welt gibt und auch direkt vor unserer Haustür.

Öffne unser Herz und unsere Hände, das wir teilen und austeilen, dass wir uns einsetzen für mehr Gerechtigkeit, faire Lebensbedingungen und eine gerechte Verteilung aller Güter.

Und wir bitten dich für alle, die gerade Schweres erleben und tragen – lass sie spüren, dass du bei ihnen bist und ihnen gibst, was sie in diesen schweren Zeiten brauchen.

Und alles was uns persönlich bewegt, bringen wir in der Stille vor dich!

STILLE

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

Lied: Nun danket alle Gott (EG 321,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an

unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

2) Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort

und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

3) Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein'gen Gott, wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

Segen

Es segne und behüte euch der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.


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