• Ute Braun

Kirche - Daheim (Exaudi)


Kirche - Daheim!

Haus-Gottesdienst an Exaudi, den 24.5.2020

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).

Eröffnung: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 27 (Auszüge)

Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir! Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils! Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen. Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Eingangsgebet:

Herr, unser Gott, du bist unseren Augen verborgen, aber in deinem Wort bist du mitten unter uns. Lass uns nicht zweifeln, dass du da bist. Erfüll uns mit neuem Lebensgeist.

Gib uns Halt an deinem Versprechen, unsichtbar, aber machtvoll die Welt zu regieren. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Lesung: Johannes 16,5-10

Christus spricht: Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.


Lied: O komm du Geist der Wahrheit (EG 136,1-4+7) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1. O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein,

verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,

dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt:

komm zu uns werter Tröster, und mach uns unverzagt.

Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit

die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

3. Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je;

darum musst du uns rüsten mit Wafffen aus der Höh.

Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu

und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

4. Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit,

ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,

trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum

zu preisen und zu loben das Evangelium.

7. Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern;

mit deiner Kraft begleite das Zeugnis vor dem Herrn.

O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund,

dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Predigtgedanken zu Jeremia 31,31-34 (Audio Datei zum MITHÖREN)

Vieles vergessen wir. Aber manches vergessen wir nie, weil es wie eingraviert ist in unser Herz. Dort, in unserem tiefsten Inneren, bleibt es gespeichert – beides: das Wunderschöne und das Schlimme. Wir tragen es in uns, so lange wir leben. Denn alles, was mit starken Gefühlen verbunden ist, prägt sich so tief in unser Herz ein, dass es nie wieder gelöscht wird. Auch in unserem Predigttext geht es heute ums Vergessen – oder besser: er will ein Text sein GEGEN das Vergessen:

Seht, es werden Tage kommen, spricht der Herr, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde, nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war, spricht der Herr.

Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe, spricht der Herr: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein.

Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, Klein und Groß, werden mich erkennen, spricht der Herr.

Denn ich verzeihe ihnen die Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.

Haben die Menschen ihren Gott denn vergessen?

So scheint es!

Und das nicht nur, wenn wir uns in unserer Welt umschauen – sondern auch, wenn wir uns mit dem kleinen Kosmos unseres Predigttextes befassen. Die Menschen haben offenbar ihren Gott vergessen – und darunter leidet Gott – so klingt es in unserem Text an. Was hatte ER nicht alles für seine Menschen getan! Für sein auserwähltes Volk!

Von Anfang an hatte er sie im Blick – hat ihnen immer wieder Verheißungen gemacht, ihnen Wohnraum zur Verfügung gestellt, sie mit Menschen zusammen geführt, die ihr Leben bereicherten, ihnen Kinder geschenkt, sie groß werden lassen – aber sie sind ja so vergesslich!

Bei der kleinsten Schwierigkeit fingen sie an zu jammern – wenn die Sorgen größer wurden, wandten sie sich ganz ab. Was soll man denn mit so einem Volk machen, das immer nur das Schlechte sieht, den Mangel, das vermeintliche Schweigen Gottes? Man hätte es Gott nicht verdenken können, wenn ihm irgendwann der Kragen platzt, und er sein Volk sich selbst überlässt. Sollen sie doch schauen, wie sie ihr Leben allein hinkriegen!

Aber das hat er nicht gemacht. Nein, er hatte immer und immer wieder Geduld mit ihnen gehabt!

Ja, er hat sie sogar regelrecht an der Hand gefasst und damals aus den bedrückenden und schweren Zeiten in Ägypten geführt.

Er hatte sie über Jahre in der Wüste mit Wasser und Nahrung versorgt – und doch war es nie recht und nie genug.

Er hatte gedacht, wenn es klare Lebensregeln gibt, dann müsste es doch besser werden: ihr Verhältnis untereinander und auch zu ihm, ihrem Gott! Ja, er hatte diese Lebensregeln sogar in Stein hauen lassen – zum Nachlesen, wenn man sie vergessen hat!

Ja, er hatte sich wirklich viel für sein Volk einfallen lassen.

Aber die Erfolge waren immer nur von kurzer Dauer gewesen

– bei der kleinsten Schwierigkeit fingen diese Menschen wieder an zu jammern – und wenn sie sich allzu verlassen fühlten, suchten sie sich sogar Nebengötter und andere vermeintliche Hilfsmittel.

Auf die Dauer hält das keine Beziehung aus.

Kein Freundschafts-, Ehe- oder Familienbund kann so stark sein, dass er es aushält, wenn einer immer und immer wieder ausbricht, unzuverlässig und so vergesslich ist…

Dass der Bund zwischen Gott und den Menschen das dennoch irgendwie ausgehalten hat, lag wohl vor allem daran, dass Gott ziemlich viel an seinen Menschen lag. Warum auch immer!

Nun einen Versuch wollte er noch wagen. Wenn er seinen Willen, seine Lebensregeln, seinen Liebesbund dieses Mal nicht auf Steintafeln schreiben ließe, sondern direkt ins Herz, dann müssten sich diese Worte doch endlich unvergesslich in das Denken und Fühlen der Menschen einprägen.

Ja, das scheint die Lösung zu sein – und so verkündet es dann auch der Prophet Jeremia.

Ja, das wäre tatsächlich die Lösung!

Stellen Sie sich das mal vor: Gottes Wort im Herzen der Menschen eingeschrieben. Keiner müsste mehr darüber spekulieren, wie Gott ist – warum er etwas tut oder auch nicht tut! Keiner müsste mehr über den biblischen Texten grübeln und überlegen, wie man diese Texte denn HEUTE verstehen soll. JEDER wüsste, wie man richtig handelt – und weil das so tief in sein Herz eingeprägt wäre – könnte er auch gar nicht anders als „richtig“ zu handeln.

D.h. wir bräuchten dann auch keine Richter und keine Polizisten mehr, keine Gefängnisse und Erziehungsanstalten.

Es gäbe natürlich auch keine Kriege mehr – schon gar nicht aus Glaubensgründen – weil die Menschen einfach wüssten, ja spürten, wie sie nach Gottes Willen handeln müssen und das auch befolgen.

Ja, all das und noch viel mehr würde es bedeuten, wenn man die Worte des Jeremia konsequent weiter denkt.

So eine Welt mit solchen Menschen - das wär‘s!

Ein Traum! Eine phantastische Vision!

Aber wohl eine unerfüllbare Phantasie und Utopie!

Denn wie soll das geschehen, dass dieser „neue Bund“, wie es Jeremia nennt, den Menschen ins Herz geschrieben wird – unvergesslich eingraviert?

Wenn man den biblischen Geschichten folgt, dann hat Gott wirklich viel versucht, seine Worte den Menschen einzuprägen – ihre Herzen zu erreichen, zu verwandeln ja zu prägen. Und dann – so heißt es – wagte Gott noch einen allerletzten Versuch.

Er schickte seinen Sohn in diese unfriedliche Welt und zu den ach so vergesslichen Menschen.

Und dieser Sohn, der handelte so, dass man ihm abspüren konnte, dass Gottes Willen sein Herz, sein Denken, Handeln und Fühlen bestimmt. Er brachte Leute dazu, ihr Leben völlig neu zu denken und zu leben. Er erreichte Menschenherzen – und viele spürten: in ihm begegnen sie Gott!

Wir glauben, dass Gott in Jesus diesen neuen Bund geschlossen hat, den Jeremia beschreibt.

Jedoch war es nicht so, dass Gottes Willen in allen Menschenherzen eingeprägt wurde – sondern allein in Jesu Herz! Und er hat damit ja auch viel bewegt und verändert – war und ist uns Beispiel, wie man in Gottes Sinne handeln, glauben, leben soll… Nur: Jesus ist nicht da geblieben…

Er ist dorthin zurückgegangen, wo er herkam… so erinnerten wir an Himmelfahrt.

Wir Menschen sind auf uns selbst gestellt – und auf das, was wir von Jesus gelernt haben – oder was er uns in unterschiedlicher Weise hinterlassen hat.

Aber leider sind wir Menschen immer noch so vergesslich!

Wir vergessen, was wir gehört und gelernt haben – wir vergessen, was Jesus uns hinterlassen hat – wir vergessen, dass Gott einen Bund mit uns eingegangen ist und wir zu seinem Familienbund gehören. Und wir vergessen vor allem, dass wir als solche Bundespartner – oder sagen wir einfacher: als Kinder Gottes – eine gewisse Verantwortung haben: für uns, unsere Mitmenschen, unsere Welt und den Frieden in ihr und und und…

Ja, ich glaube, die Vision des Jeremia wäre auch heute noch die phantastischste Lösung. Aber so hat Gott es nicht gemacht…

…oder vielleicht doch?

Nachdem Jesus weg war – und wir Menschen wieder ganz auf uns allein gestellt waren – da hat er uns seinen Geist geschickt. Ihn in unsere Herzen „gegossen“.

Und dieser Geist ist zum einen ein „Erinnerer“ – der uns hilft gegen unsere Vergesslichkeit.

Er ist auch ein Lehrer – der uns eingibt, was Gottes Wille ist.

Er ist ein Helfer, der uns dabei unterstützt, dass wir das dann auch in unserem Leben umsetzen können.

Ob es ihm gelingt, unsere Herzen tatsächlich so zu berühren und zu verwandeln, dass wir „neue Menschen“ werden?

Menschen, die an ihrem Gott hängen – in seinem Sinne handeln wollen – und das auch überall auf der Welt tun?

Ich wünschte es mir!

Ich wünschte mir, dass die Vision des Jeremia keine phantastische Utopie bleibt sondern mehr und mehr Wirklichkeit wird – und wir mit all unseren Möglichkeiten und Herzensprägungen unseren Teil dazu beitragen.

Amen.

Lied: Schenke mir Gott ein hörendes Herz (NL 190,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1: Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz, das seinen Ohren traut in dieser Welt. (2x)

Refrain: Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt,

das für das Leben schlägt. (2x)

2. Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz, das mir die Augen öffnet für die Welt. (2x)

Refrain: Schenke mir, Gott…

3. Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz, das für den andern aufgeht jeden Tag. (2x)

Refrain: Schenke mir, Gott…

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Herr, unser Gott,

du hast einen neuen Bund mit uns geschlossen. Du schenkst uns auch einen Geist, der uns hilft, diesen Bund zu leben.

Wir bitten dich für uns, wenn wir dennoch immer wieder an unsere Grenzen stoßen. Hilf uns dann zurück auf deinen Weg, dass wir als deine Kinder leben, handeln und vertrauen.

Wir bitten dich für alle, die versuchen den Glauben an dich an andere weiterzugeben. Leg ihnen die richtigen Worte in den Mund und die Erkenntnis ins Herz, dass du dein Wort Wurzeln schlagen und wachsen lässt.

Wir bitten dich für unsere Glaubensgeschwister und Geschwisterreligionen. Hilf uns nicht gegeneinander zu arbeiten, sondern miteinander den Weg der Wahrheit und des Friedens zu suchen.

Wir bitten dich für alle, die sich von dir verlassen fühlen. Für Menschen, die krank und einsam sind, für Menschen in der Fremde und Menschen auf der Flucht, für Ängstliche und Trauernde. Lass sie erfahren, dass du ihnen dennoch nahe bist mit deinem Trost und deiner Hilfe.

(Raum für eigene Bitten und Fürbitten)

Vater unser im Himmel…

Segen

Es segne und behüte uns der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Lied: Wie lieblich ist der Maien (EG 501,1-4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1. Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,

des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.

Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,

die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!

Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.

Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;

drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß’.

3. Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,

damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,

die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,

das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein

und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;

die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,

damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.




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