• Ute Braun

Kirche - Daheim (Gründonnerstag)


Kirche - Daheim!

Hausabendmahl am Gründonnerstag 2020


(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie erdacht. Gerne dürfen Sie diesen auch ausdrucken und weitergeben).

Am Gründonnerstag möchte ich bewusst ein Hausabendmahl mit Ihnen feiern. Falls Sie an diesem Abend allein sind, feiern Sie dennoch mit uns - mit einem Stück Brot und einem kleinen Glas Saft/Wein - und fühlen Sie sich mit all den anderen verbunden, die in den Häusern heute Brot und Wein teilen.

Falls Sie in einer Tischgemeinschaft mit Ihrer Familie zusammen sein können, benötigen Sie für jeden ein Stück Brot und ein kleines Glas Saft/Wein.

Eröffnung:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Eingangsspruch:

Christus spricht: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.

Eingangsgebet:

Gott,

dein Licht leuchte auf an diesem Abend voller Schatten,

und dein Glanz durchdringe die nahende Nacht.

Wir sind hier bei dir, mit unseren Ängsten und Sorgen:

Lass uns deine Güte schauen und deine Treue schmecken.

Wir sind hier bei dir, mit unseren Zweifeln und Fragen:

Reich uns deine Hand und gib uns festen Halt.

Wir sind hier bei dir, manche von uns im Herzen und am Tisch allein: Lass uns einander Schwestern und Brüder sein – auch über die Entfernung hinweg.

Gott, dein Licht leuchte auf an diesem Abend der Schatten,

und dein Glanz durchdringe die nahende Nacht.

Amen.


Lesung: Matthäus 26, 17-30

Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?

Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern. Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm.

Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln zu ihm zu sagen: Herr, bin ich's? Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.

Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.

Lied: Das sollt ihr Jesu Jünger nie vergessen (EG 221, 1-3)


1) Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen:

wir sind, die wir von einem Brote essen,

aus einem Kelche trinken Jesu Glieder, Schwestern und Brüder.

2) Wenn wir in Frieden beieinander wohnten,

Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten,

dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.

3) Ach dazu müsse seine Lieb uns dringen!

Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen,

dass unter einem Hirten eine Herde aus allen werde.

Predigtgedanken:

Ein letztes Mal sitzt Jesus mit seinen Jüngern zusammen.

Zu Beginn des Passahfestes erinnern sie sich an die Befreiung des Volkes aus der Sklaverei in Ägypten. Sie essen von den Speisen, die zu diesem Abend des Passahfestes gehören: ungesäuertes Brot, Bitterkräuter, Lamm, grüne Kräuter, der Brei aus geriebenem Apfel, das Salzwasser…

Es ist wie immer am Passahfest – und doch wieder nicht.

Denn an diesem Abend wird Jesus Brot und Wein eine neue Bedeutung geben. Etwas soll bleiben, wenn er nicht mehr bei seinen Jüngern sein kann. Er selbst will in diesem Brot und Wein bei ihnen bleiben.

Ja, Jesus weiß, dass dieser Abend sein letzter Abend in dieser Gemeinschaft sein wird. Er weiß, was noch an diesem Abend mit ihm geschehen wird und am Kreuz erst einmal enden soll.

Und er weiß auch, wer da alles bei ihm am Tisch sitzt!

Wir kennen diese Geschichte natürlich – und vielleicht haben wir auch manches Mal darüber gestaunt, dass Jesus mit allen 12 Jüngern das Abendmahl gefeiert hat.

Mit denen, die ihn nur wenige Stunden später allein lassen werden. Mit dem, der noch in dieser Nacht leugnen wird, ihn zu kennen. Sogar mit dem, der ihn verraten hat und nachts die Soldaten zu ihm führen wird.

Alle waren dabei – alle sollten dabei sein!

In diesem Jahr können wir das wohl ganz gut verstehen: Wen hätten wir heute nicht auch gerne bei uns am Tisch? Unsere ganze Familie – unsere Freunde – Menschen, die wir lange nicht mehr gesehen haben – ja, sogar die, mit denen wir unsere Schwierigkeiten haben.

Wie oft haben wir die Gemeinschaft beim Abendmahl in der Kirche als selbstverständlich hingenommen. Die anderen feiern natürlich mit – Bekannte und weniger Bekannte.

Bei manchen haben wir die Nähe gesucht, anderen sind wir vielleicht ausgewichen – aber sie standen mit uns um den Altar.

Ich weiß nicht, wie Sie es empfinden, aber ich gäbe viel dafür, wenn wir heute in dieser vertrauten Form Abendmahl feiern könnten – mit Kleinen und Großen, Glaubenden und Zweiflern, mit den manchmal etwas unruhigen Konfis und mit denen, für die gerade das Abendmahl an diesen drei Festtagen so eine große Bedeutung hat, dass manche Unruhe sie stört.

Heute fehlen sie uns – sogar die, die wir höchstens vom Sehen kennen, fehlen uns.

Doch selbst wenn wir heute vielleicht allein zu Hause an unserem Tisch sitzen, sind wir dennoch nicht allein.

So verstehe ich zumindest die Worte aus Offenbarung 3, 20, die ich zu Beginn dieser Andacht zitiert habe:

Christus spricht: "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir."

Oft schon habe ich diese Worte beim Hausabendmahl oder auch bei einem Krankenabendmahl gesprochen – und vertraute darauf, dass auch in dieser ganz kleinen Abendmahlsrunde Jesus selbst dabei ist – in Brot und Wein.

Und wenn ich dann die erwartungsvollen oder auch entspannten Gesichtszüge des anderen sah, dann konnte ich diese Gegenwart Gottes regelrecht spüren.

Dieses kleine Stärkungsmahl in manchen Häusern und an Krankenbetten ließ mich oft an den Propheten Elia denken, der erschöpft unter einem Busch in der Wüste lag und einfach nicht mehr weiter konnte oder wollte.

Und dann erzählt die Geschichte ganz liebevoll, wie ihn mehrfach ein Engel weckt, ihm etwas zu essen und zu trinken hinstellt mit den Worten: nimm und iss, du hast einen weiten Weg vor dir!

Bei Elia war es kein „Abendmahl“ wie wir es heute verstehen – aber es war auch ein Mahl, in dem die Gegenwart Gottes spürbar wurde.

Heute denke ich auch an die Emmausjünger – nur wenige Tage nach dem Tod Jesu teilten sie bei sich zu Hause mit einem Fremden das Brot – und sie erkannten genau in diesem Augenblick, dass Jesus selbst mit ihnen am Tisch saß!

Waren sie zu dritt – oder doch nur zu zweit? Es bleibt etwas undurchsichtig in der Geschichte – wichtig aber ist, dass sie beim Teilen von Brot und Wein die Gegenwart ihres Freundes spürten. Dass er selbst bei ihnen war!

Oder denken Sie an die ersten Christen – für sie war es ganz normal, dass sie das Abendmahl hier und dort in den Häusern feierten.

Und selbst in Verfolgungszeiten haben Christen auf der ganzen Welt in ihren Häusern – meist heimlich – das Abendmahl gefeiert. Und während sie das taten, wussten sie sich verbunden mit anderen Christen in anderen Häusern und mit Jesus selbst.

Im Abendmahl können wir spüren, dass Gott selbst gegenwärtig ist – dass Christus in Brot und Wein zu uns kommt und uns stärkt.

Ja, das ist etwas, das das Abendmahl neben anderen Bedeutungen und Zusagen immer auch vermitteln sollte und konnte: Trost und Stärkung!

Und ich glaube, genau das ist es, was wir in diesen Wochen gerade alle suchen und brauchen:

Trost und Stärkung – und Gottes Gegenwart – auch und gerade in unseren Häusern und in unseren manchmal einsamen und manchmal furchtsamen Herzen in diesen Tagen. Amen.

Lied: Ich bin das Brot (NL 155,1-3)


1) Ich bin das Brot, lade euch ein.

So soll es sein, so soll es sein!

Brot lindert Not, brecht es entzwei.

Refrain: So soll es sein, so soll es sein!

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

2) Ich bin die Quelle, schenk mich im Wein.

So soll es sein, so soll es sein!

Schöpft aus der Fülle, schenkt allen ein.

Refrain: So soll es sein, so soll es sein!

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

3) Nehmt hin das Brot, trinkt von dem Wein.

So soll es sein, so soll es sein!

Wenn ihr das tut, will ich bei euch sein.

Refrain: So soll es sein, so soll es sein!

Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

Gebet:

Wir loben dich, Gott, dass du für deine Geschöpfe sorgst und uns auch in Zeiten der Not nicht allein lässt.

Du hast deinen Sohn zu unserer Erlösung gesandt, um die Mühseligen und Beladenen zu erquicken.

Wir bitten dich: sende deinen Heiligen Geist auf uns herab und gib, dass wir unter diesem Brot und Wein dich selbst empfangen zu unserem Heil und Trost.

Vater unser im Himmel…


Unser Herr Jesus Christus

in der Nacht, da er verraten ward,

nahm er das Brot, dankte und brach’s

und gab’s den Jüngern und sprach:

Nehmet hin und esset,

das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.

Solches tut zu meinem Gedächtnis.

(wir essen vom Brot und in der Tischgemeinschaft geben wir es weiter von Mensch zu Mensch)

Desgleichen nahm Jesus auch den Kelch nach dem Mahl,

dankte, gab ihnen den und sprach:

Nehmet hin und trinket alle daraus.

Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut,

das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.

(wir trinken vom Wein/Saft – allein oder in der Tischgemeinschaft)

Schlussgebet:

Barmherziger Vater, auf seinem Weg zum Kreuz hat dein Sohn die Gemeinschaft mit den Seinen gesucht, ihnen die Füße gewaschen als Zeichen deiner bleibenden Liebe und Nähe, Brot und Wein geteilt als Zeichen der Hoffnung und Freude.

In diesen Zeichen hast du dich uns geschenkt, und in dir und mit dir das ganze Leben.

Wir danken dir für diese Zeichen deiner Liebe, die du uns schenkst. Stärke unser Vertrauen in dich und lass uns immer wieder deine Nähe spüren, wenn Angst und Not größer sind als die Hoffnung.

Und dein Friede Gott, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in deinem Sohn Jesus Christus.

Amen.

In aller Stille gehen wir nun in die kommenden Tage…

…denn so heißt es in unserem Evangelium weiter:

„Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus – an den Ölberg.“

Lied: Bleib bei mir, Herr (EG 488, 1-5)


1. Bleib bei mir, Herr! Der Abend bricht herein.

Es kommt die Nacht, die Finsternis fällt ein.

Wo fänd ich Trost, wärst du mein Gott nicht hier?

Hilf dem, der hilflos ist: Herr, bleib bei mir!

2. Wie bald verebbt der Tag, das Leben weicht,

die Lust verglimmt, der Erdenruhm verbleicht;

umringt von Fall und Wandel leben wir.

Unwandelbar bist du: Herr, bleib bei mir!

3. Ich brauch zu jeder Stund dein Nahesein,

denn des Versuchers Macht brichst du allein.

Wer hilft mir sonst, wenn ich den Halt verlier?

In Licht und Dunkelheit, Herr, bleib bei mir!

4. Von deiner Hand geführt, fürcht ich kein Leid,

kein Unglück, keiner Trübsal Bitterkeit.

Was ist der Tod, bist du mir Schild und Zier?

Den Stachel nimmst du ihm: Herr, bleib bei mir!

5. Halt mir dein Kreuz vor, wenn mein Auge bricht;

im Todesdunkel bleibe du mein Licht.

Es tagt, die Schatten fliehn, ich geh zu dir.

Im Leben und im Tod, Herr, bleib bei mir!

Segen

Der Abend ist herbeigekommen.

Das Dunkel der Nacht beginnt.

Gib uns Mut für jeden Schritt,

Mut auch dann, wenn wir Angst haben.

So bleib bei uns, Herr, behüte und segne uns,

Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen.



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