• Ute Braun

Kirche - Daheim! (Jubilate)


Kirche - Daheim!

Haus-Gottesdienst an Jubilate, den 3.5.2020

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).

Eröffnung: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 66 (NL 927)

Jauchzet Gott, alle Lande!

Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!

Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!

Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

Alles Land bete dich an und lobsinge dir,

lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,

der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land,

sie gingen zu Fuß durch den Strom;

dort wollen wir uns seiner freuen.

Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,

seine Augen schauen auf die Völker.

Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,

lasst seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält

und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Eingangsgebet:

Guter Gott,

jubeln und jauchzen - das fällt uns in diesen Wochen nicht so leicht.

Es ist nun schon eine so lange Zeit, dass wir unter besonderen Maßnahmen und Begrenzungen leben.

Es ist schon eine so lange Zeit, dass wir nicht mehr allen Menschen begegnen konnten, die uns am Herzen liegen.

Und es gibt immer wieder neue Nachrichten, die uns erschrecken, nachdenklich machen, ärgern oder ängstigen.

Ganz andere Pläne hatten wir auch für diesen Sonntag. Konfirmation wollten wir feiern – und nun ist alles anders – das macht uns auch traurig.

„Siehe, ich mache alles neu“, rufst du uns zu.

Dieses „Neue“ können wir sehen, wenn wir die Schöpfung betrachten, die gerade in sattem Grün erstrahlt. Dieses „Neue“ können wir sehen in Menschen, die für andere tätig werden. Dieses „Neue“ können wir auch an uns selbst entdecken: darin wie wir gerade Wesentliches in unserem Leben sehen, das vorher oft im Vielerlei unterging.

Herr, hilf uns diesen Blick zu schärfen – auf das Gute, Schöne, Wertvolle und Wesentliche zu achten, das auch in dieser Zeit um uns und in uns erfahrbar ist. Darum bitten wir, durch Jesus Christus, deinen Sohn. Amen.

Lesung: Johannes 15,1-8

Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Lied: Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben (NL 122,1-4)

(AUDIO Datei zum Mitsingen)

Refrain: Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben, wer Dir Vertrauen schenkt, für den bist Du das Licht.

Du willst ihn leiten und ihm wahres Leben geben,

ewiges Leben, wie Dein Wort es verspricht.

Du willst ihn leiten und ihm wahres Leben geben,

ewiges Leben, wie Dein Wort es verspricht.

1) Das Brot bist Du für den, der Lebenshunger hat.

Und wenn er zu Dir kommt, machst Du ihn wirklich satt

2) Die Tür bist Du für den, der an sich selbst verzagt.

Du machst ihn frei, wenn er ein Leben mit Dir wagt.

3) Der Hirte bist Du dem, den Lebensangst verwirrt.

Begleitest ihn nach Haus, dass er sich nicht verirrt.

Refrain: Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben, wer Dir Vertrauen schenkt, für den bist Du das Licht…

4) Der Weinstock bist Du dem, der Kraft zum Leben sucht.

Wenn er ganz bei Dir bleibt, dann bringt er gute Frucht.

Refrain: Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben, wer Dir Vertrauen schenkt, für den bist Du das Licht…

Predigtgedanken: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben…

Ausgerechnet diese Worte aus dem Johannesevangelium sind heute Predigttext und Evangelium.

Ausgerechnet heute, an diesem Sonntag, an dem wir eigentlich Konfirmation feiern wollten!

Ausgerechnet!

Ein bisschen bin ich darüber erschrocken, als ich es gesehen habe – dann musste ich lächeln, über die merkwürdigen Zufälle, die es manchmal gibt. Oder ist es gar kein Zufall? …

Anfang des Jahres – als unser Leben noch ganz anders verlief – habe ich mit unseren Konfirmanden einen Gottesdienst gestaltet zu den Ich-bin-Worten Jesu. Die Jugendlichen hatten Fensterbilder dazu gestaltet, die auch danach noch eine zeitlang in der Kirche hingen.

Das einzige Wort, das die Jugendlichen damals nicht aufgenommen hatten, war das vom Weinstock…

Und so hatte ich dieses Ich-bin-Wort in meiner Predigt aufgenommen. Besonders passend war dieses Bild, weil an jenem Sonntag all unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter eingeladen waren!

Wie anders sieht unser Leben und auch unser Gemeindeleben heute aus.

Ja, eigentlich sollten wir heute eine übervolle Kirche haben mit einer Schar fröhlicher und etwas aufgeregter Konfirmanden und ebenso aufgeregten aber stolzen Familien!

Eigentlich sollten unsere Kirchengemeinderäte heute vollständig im Gottesdienst sein, um die Jugendlichen als mündige Gemeindeglieder zu begrüßen.

Und ganz sicher hätten sich in die gut gefüllte Kirche auch manche Gemeindeglieder gewagt, um an diesem besonderen Tag Anteil zu haben…

Und nun sitzen wir heute zu Hause – lesen oder hören diese Andacht – und fragen uns, wie lange es wohl noch dauern wird, bis wir wieder in unbeschwerter Weise einander begegnen können und auch wieder so Gottesdienste gemeinsam feiern können, wie wir es vermissen: mit allen, die mitfeiern wollen, mit gemeinsamem Gesang, der von Herzen kommt, und an solch besonderen Tagen wie der Konfirmation natürlich auch mit Abendmahl…


„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“, sagt Jesus.

Ich sehe einen Weinstock in der Natur vor mir, wie er im Moment wohl aussieht: zurück geschnitten fast bis auf den harten Stamm hinunter mit seiner rissigen Rinde. Kleine Triebe wachsen am Spalier hoch. Auch sie werden noch einmal zurück geschnitten, so dass nur zwei bis drei Zweige nachher weiterwachsen. Das ist nötig, denn die Kraft aus dem Stamm soll nicht zu sehr verteilt werden, sondern nachher bis in die Frucht hineinreichen, damit große, saftig-süße Trauben daran reifen.

Und dann sehe ich einen Weinstock vor mir, wie wir ihn im Herbst in den Weinbergen finden können: der Stamm steht unverändert fest, die einzelnen Zweige, die sich am Spalier entlang ranken, tragen Blätter, der sich schon langsam bunt färben und darunter hängen grün, rot und blau die reifen Trauben.

Und für unsere Augen unsichtbar verlaufen unter der Erde weit und tief die Wurzeln des Weinstocks, denen es gelingt auch aus noch so felsigem Gelände, die Nährstoffe zu ziehen, die den Früchten später auch das besondere Aroma geben werden.

Ein Bild von Lebensfülle vermittelt mir so ein Weinstock in der Natur mit seinen reifen Früchten.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“

- bei dem biblischen Bild muss ich im Moment gerade an die Gemeinschaft denken, die uns fehlt. An die Gemeinschaft mit unseren Familien, die nicht bei uns wohnen. An die Gemeinschaft mit Freunden, Klassenkameraden, Vereinskollegen. An die Gemeinschaft auch unserer Gottesdienste und unserer einzelnen Gemeindegruppen.

Ich glaube, in diesen Wochen spüren wir sehr ausgeprägt, wie viel Gemeinschaft wir brauchen und zu wem.

Wir entdecken sicher so manche Gruppe oder Verpflichtung, die uns gerade gar nicht so sehr fehlt. Und spüren aber ebenso, dass wir aus manch anderen Gruppen und Gemeinschaften immer wieder Kraft gewonnen haben. Gemeinschaft, die wir brauchen, damit es uns gut geht und wir fröhlich und zuversichtlich unterwegs sein können.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“.

In vielen von uns steckt die Vorstellung: ich schaff alles allein. Ich muss die Kraft aus mir selbst gewinnen, die ich brauche, um meine Arbeit zu machen, mein Leben zu meistern, Erfolg zu haben und anderes mehr.

Ich glaube aber auch, dass viele von uns – mich eingeschlossen – in diesen Wochen merken, dass der eigene Kraftvorrat begrenzt ist, wenn er nicht von anderer Stelle wieder aufgefüllt wird.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“.

Jesus ist in diesem Bild der feste Stamm. Seine Wurzeln reichen tief hinein in seinen Glauben, in seine Überzeugungen, hin zu seinem Gott.

Von dort bekommt er die Kraft, die er für sein Leben und Handeln braucht. Kraft auch, die er an uns weitergibt.

Ich stell es mir so vor: die Kraft aus Gott fließt in Jesus Christus, den Weinstock. Er gibt diese Kraft weiter durch seine Hilfe, seine Zusagen, seine Weisungen für unser Leben.

Und wir Menschen bekommen durch die Verbindung zu ihm zunächst einmal Halt: Wir hängen an ihm, wie die Traube am festen Stamm. Aber wir bekommen durch ihn auch: Perspektiven, Hoffnung, Zuversicht, Trost, Mut und Lebenskraft. Also all die Dinge, die wir gerade ganz besonders brauchen.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ – an diesem Sonntag, an dem wir eigentlich Konfirmation feiern wollten, ist es für mich unmittelbar spürbar, wie sehr wir die reale Gemeinschaft doch brauchen – zu anderen Menschen, in unserer Gemeinde, zu Gott und den Lebensquellen, die er uns zur Verfügung stellt.

Wie gut, dass unser Gott an keinem Ort fest verwurzelt ist, sondern auch zu uns nach Hause kommen kann.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus!

Amen.


Lied: Leben aus der Quelle (NL 66,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)

Refrain: Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir,

Leben aus der Quelle des Lebens. (2x)

1. Und du erforscht mich, veränderst mein Denken,

Nur noch aus dir will ich leben, oh Herr. (2x)

Refrain: Leben aus der Quelle…

2. Hilfst mir zu schweigen und auf dich zu warten,

Nur noch aus dir will ich leben, oh Herr. (2x)

Refrain: Leben aus der Quelle…

3. Willst mich gebrauchen, als Salz für die Erde,

Nur noch aus dir will ich leben, oh Herr. (2x)

Refrain: Leben aus der Quelle

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Guter Gott,

wir brauchen die Gemeinschaft mit dir, dem wahren Weinstock, aber auch mit anderen Menschen.

In diesen Wochen ist das alles nur eingeschränkt möglich.

So bitten wir dich für all die Menschen, die darunter leiden, dass sie gerade nicht mit ihren Familien und Freunden zusammen kommen dürfen. Ganz besonders bitten wir dich für Menschen in den Pflegeheimen und Krankenhäusern, aber auch für die, deren Angehörige im Ausland leben.

Wir bitten dich um Lebenskraft, Mut, Trost, Perspektiven und Zuversicht für alle, denen so langsam die Vorräte davon ausgehen: für Kranke und Sterbende, für Traurige und Einsame, für die Müden und Beladenen, für alle, die am Limit arbeiten und die, die immer wieder neue Entscheidungen treffen und verantworten müssen.

Wir bitten dich um deine spürbare Nähe, auch wenn wir gerade nicht in deinem Haus in gewohnter Weise zusammen kommen können: komm uns nah und erfülle uns mit deiner Kraft. Lass uns erfahren, dass du keine bestimmten Häuser oder Orte brauchst, um bei uns zu sein.

Ganz besonders bitten wir dich heute für unsere Konfirmanden und ihre Familien – komm auch ihnen nahe, dass sie einen schönen Tag gemeinsam verleben – trotz allem.

(Raum für eigene Bitten und Fürbitten)

Vater unser im Himmel…

Segen

Es segne und behüte uns der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Lied: Komm, Herr, segne uns (EG 170,1-4) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen,

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.

Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

2) Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.

Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,

schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

3) Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden,

wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.

Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen -

die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

4) Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen,

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.

Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.



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