• Ute Braun

Kirche - Daheim (Kantate)


Kirche - Daheim!

Haus-Gottesdienst an Kantate, den 10.5.2020

(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie gedacht. Gerne dürfen Sie diesen auch

ausdrucken und weitergeben).


Eröffnung: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Kantate! Singt! – so heißt dieser Sonntag heute… Der Psalm nimmt das Thema auf…

Psalm 98 (NL 947)

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

Der HERR lässt sein Heil verkündigen;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem HERRN, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

Eingangsgebet:

Guter Gott,

die ganze Schöpfung singt – die Meere brausen, die Ströme klatschen in die Hände. Fast scheint es mir, als könne ich es hören – im Rascheln der Blätter, im Summen der Bienen.

Und ich merke in diesen Tagen, wie wichtig mir das Singen ist. Und wie sehr es mir fehlt, wenn es nicht möglich ist: das gemeinsame Singen mit anderen – ein Gottesdienst mit vollem Orgelklang und Menschenstimmen, die aus ganzem Herzen mitsingen.

Wie anders ist doch unsere Situation in diesen Wochen – und wie lange wird uns das noch begleiten.

Umso bewusster will ich darauf achten, was die Schöpfung mir zu-singt – will mich trauen zu singen, auch für mich allein in meinen vier Wänden – will mich berühren lassen von deinem Wort, das in Texten und Klängen zu mir dringt.

Komm du auch selbst zu mir – und schenke meiner Seele den Klang, der sie aufrichtet, ermutigt, tröstet und stärkt.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Amen.

Lesung: Apostelgeschichte 16,23-34

Nachdem man Paulus und Silas viele Schläge verabreicht hatte, ließen sie die beiden ins Gefängnis werfen.

Dem Gefängniswärter wurde eingeschärft, sie besonders gut zu bewachen. Befehlsgemäß brachte er sie in die hinterste Zelle und schloss ihre Füße in den Holzblock.

Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Gott Loblieder. Die anderen Gefangenen hörten ihnen zu.

Plötzlich gab es ein starkes Erdbeben, das die Fundamente des Gefängnisses erschütterte.

Da sprangen alle Türen auf, und die Ketten fielen von den Gefangenen ab. Der Gefängniswärter wurde aus dem Schlaf gerissen. Als er sah, dass die Gefängnistüren offen standen,

zog er sein Schwert und wollte sich töten.

Denn er dachte: Die Gefangenen sind entflohen.

Aber Paulus schrie laut: »Tu dir nichts an! Wir sind alle noch hier.«

Der Wärter rief nach Licht. Er stürzte in die Zelle und warf sich zitternd vor Paulus und Silas nieder.

Dann führte er sie hinaus und fragte: »Ihr Herren, was muss ich tun, damit ich gerettet werde?«

Sie antworteten: »Glaube an den Herrn, Jesus, dann wirst du gerettet und mit dir alle in deinem Haus.«

Und sie verkündeten ihm und allen anderen in seinem Haus das Wort des Herrn.

Noch in derselben Nachtstunde nahm der Wärter Paulus und Silas zu sich. Er wusch ihnen die Wunden aus.

Dann ließ er sich umgehend taufen und mit ihm alle, die in seinem Haus lebten.

Anschließend führte er die beiden in sein Haus hinauf und lud sie zum Essen ein.

Die ganze Hausgemeinschaft freute sich, dass sie zum Glauben an Gott gefunden hatte.

Lied: Du meine Seele singe… EG 302,1+2+8 ! (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1) Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön.

Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;

Ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

2) Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil!

Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,

Das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt;

Sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

8) Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm;

Der Herr allein ist König, ich eine welke Blum.

Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt,

Ist's billig, dass ich mehre, sein Lob vor aller Welt.

Predigtgedanken: (Audio Datei zum MITHÖREN)

In den letzten Wochen musste ich oft an diese Bibelgeschichte denken: Paulus und Silas im Gefängnis.

Ein bisschen wie Gefängnis fühlt sich unser Leben in diesen Wochen ja auch an, wenn wir unseren Alltag nicht so frei gestalten können, wie wir es bisher gewohnt waren…

Natürlich zu unserer eigenen Sicherheit. Natürlich zum Schutz der anderen… Wir kennen die Argumente und Begründungen alle und doch… irgendwie eingesperrt fühlen wir uns schon – in unseren vier Wänden – begrenzt durch Gebote und Verbote – gefesselt durch Ängste oder zumindest durch ein gewisses Unwohlsein.

Und an diesem Gefühl hat sich kaum etwas verändert, auch wenn nun viele Tore und Türen wieder geöffnet werden. Schon allein der Blick in Gesichter mit Schutzmasken hinterlässt bei uns (noch?) ein merkwürdiges Unwohlsein.

Was hilft? Gegen dieses diffuse Gefühl von Angst und Ungewissheit? Gegen Mauern, die um uns aufgerichtet werden oder die wir auch selbst aufrichten? Gegen all das, was uns ein inneres Gefühl von „eingesperrt“ vermittelt?

Unser Glaube hilft uns natürlich. Manchmal auch der bewusste Blick auf etwas anderes – ein Perspektiv-Wechsel sozusagen.

Und manches Mal ist es auch ein Lied. Ich glaube, so oft habe ich bei der Vorbereitung der Gottesdienste noch nie zu Hause gesungen wie derzeit. Lieder im Internet hochladen, anhören, mitsingen… sich anstecken lassen von ihnen. Die Zusagen der Lieder dringen tiefer, und auf einmal schleicht sich da ein Gefühl von Freiheit ins Herz…

Ein bisschen leichter fühlt man sich – schwebt mit den Klängen durchs offene Fenster nach draußen – ohne Angst, ohne Druck, ohne Begrenzung… frei!

Paulus und Silas sitzen im Gefängnis – in einem richtigen Gefängnis. Sie wurden geschlagen und weggesperrt – ja sogar in den Block geschlossen. Da ist nun überhaupt kein Bewegungsspielraum mehr möglich.

Doch anstatt zu hadern und zu verzweifeln singen sie! Laut! So dass es die Mitgefangenen hören! Und sie singen ihrem Gott Loblieder – so wie sie heute auch in unserem Gottesdienst vorkommen!

Ob sie es auch so erlebt haben, dass sie sich beim Singen auf einmal frei fühlten? Dass die Fesseln abfielen? Sie mit den Klängen ihrer Lieder durch Mauern und Gitter ins Freie schweben konnten?

Die Apostelgeschichte erzählt noch mehr: es gibt ein Erdbeben, die Türen springen auf, die Fesseln fallen ab. Sie sind frei – und nicht nur Paulus und Silas – sondern alle – auch ihre Mitgefangenen, die nur zugehört hatten.

Sie haben sich im wahrsten Sinne des Wortes frei gesungen.

Das Bild ist mir in diesem Jahr so nah wie noch nie. Vielleicht auch deshalb, weil wir – auch wenn unsere Lichtenauer Kirche irgendwann wieder für Gottesdienste geöffnet wird – noch länger aufs gemeinsame Singen verzichten müssen.

Vielleicht auch, weil ich an den vergangenen Sonntagen es immer wieder erlebt habe, dass die Menschen, die dort für ein stilles Gebet hereinkamen, irgendwann den Wunsch äußerten: „können wir nicht etwas singen?“ Oder sie sangen einfach leise vor sich – oder sie hörten ein schönes Lied auf ihrem Handy an und summten mit…

In all diesen Situationen waren es Lieder, die aufgerichtet haben, Gemeinschaft erfahrbar machten, trösteten oder eben auch befreiten von dem, was auf der Seele lastet.

Ja, auch da haben sich Menschen ein bisschen frei gesungen!

Paulus und Silas sangen Loblieder! Sie hielten fest an ihrem Vertrauen in ihren Gott. Und dann sind die Türen auf einmal offen – und sie alle könnten nun einfach hinausspazieren.

Aber interessanterweise tun sie es nicht. Kein einziger von ihnen. Als der Gefängniswärter herbeigerannt kommt, sitzen alle noch in ihren offen Zellen.

Warum eigentlich? Warum haben sie nicht die offene Tür genutzt um zu entkommen?

Heute überlege ich mir, ob es vielleicht auch aus einem Gefühl von Verantwortung heraus geschah. Sie wussten, wenn sie aus dem Gefängnis fliehen würden, müsste der Gefängniswärter den Kopf dafür hinhalten – im wahrsten Sinne des Wortes.

Nun, auch das hätte ihnen egal sein können – aber das war es nicht!

Und so wird dann auch weiter erzählt, wie der Gefängniswärter Paulus und Silas zu sich nach Hause nimmt. Ihre Wunden versorgt, sie einlädt und sich taufen lässt.

Angesteckt durch ihren Glauben und wie er sich in ihrem Leben niederschlägt – eingeladen aber auch in die Gemeinschaft, die die beiden zum Ausdruck brachten, nicht zuletzt durch ihr gemeinsames Singen.

Wir wissen wie die Geschichte weitergeht und würden an einem „normalen Sonntag“ vermutlich auch auf diese Taufe und das Bekenntnis des Gefängniswärters eingehen.

Ich bleibe aber heute daran hängen, dass Paulus und Silas die geschenkte Freiheit nicht nutzten, nicht aus-nutzten.

Und ich vergleiche es mit den Freiheiten, die wir in diesen Wochen zunehmend zurückbekommen. Sollen wir sie wirklich nutzen? Sollen wir wirklich alle Türen öffnen – auch alle Kirchentüren?

Ich hab da für mich noch keine letztgültige Antwort gefunden.

Denn wir müssen natürlich weiterhin verantwortungsvoll entscheiden und handeln. Und da bin ich froh, dass ich diese schwere Verantwortung mit anderen teilen darf.

Ja, ich sehne mich nach offenen Türen – auch nach offenen Kirchentüren.

Ich sehne mich nach Gemeinschaft – mit Menschen, die ich lange nicht mehr sehen durfte – auch in unserer Gemeinde.

Ich weiß aber eben auch um die Verantwortung, die wir alle weiterhin tragen müssen – füreinander.

Und vielleicht ist da die Geschichte von Paulus und Silas grade ein gutes Beispiel: die Türen sind offen – aber ich muss sie nicht nutzen – zumindest nicht gleich.

Ich kann das Gefühl, dass es freier um mich wird, erstmal wahrnehmen – durchatmen – zuversichtlicher sein.

Und vielleicht ist es mir sogar danach zu singen – mit den Menschen, die bei mir wohnen – oder über den Gartenzaun und den Balkon hinweg – oder auch einfach nur für mich.

Zuhause darf ich das sogar richtig laut – und wenn es ein bisschen falsch ist, ist es auch nicht schlimm.

Vielleicht ein Lied, das auch von Freiräumen singt? Von neuen Wegen und verantwortungsvollem Handeln? Von Fesseln, die sich lösen, von getrockneten Tränen und Lachen?

Dann tun wir das doch! Mit dem nächsten Lied! Gemeinsam über die Grenzen unserer Häuser und Ängste hinweg!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus! Amen.

Lied: Ich lobe meinen Gott, er aus der Tiefe (EG 628,1-3) (AUDIO Datei zum Mitsingen)


1. Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

Kehrvers: Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen, bis das Lied zum Himmel steigt. Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden.

2. Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle. Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.

Kehrvers: Ehre sei Gott auf der Erde..

3. Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache. Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme.

Kehrvers: Ehre sei Gott auf der Erde..

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Guter Gott,

führe uns in die Freiheit – aus all dem, was uns belastet, begrenzt, verängstigt und einengt.

Lass Menschen aufatmen, die Angst haben – immer mal wieder – und jetzt ganz besonders.

Lass Seelen aufatmen und sich aufschwingen in den Menschen, denen die belastende Lebenssituation zunehmend aufs Gemüt schlägt.

Tröste, trockne Tränen – bei allen, denen es gerade nicht gut geht, weil sie allein sind, krank sind, Schmerzen haben, um einen Angehörigen trauern oder einfach die Gemeinschaft mit anderen vermissen.

Hilf uns weiterhin verantwortungsvoll zu leben und zu handeln und nicht die vielen Türen auszunutzen, die uns vermeintlich in alte Freiheiten zurückführen.

(Raum für eigene Bitten und Fürbitten)

Vater unser im Himmel…

Segen

Es segne und behüte uns der lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Lied: Lobe den Herrn meine Seele (NL 68,1-4)!!! (AUDIO Datei zum Mitsingen)

Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele

1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele…

2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen,

von Herzen ihm ewiglich singen:

Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele…

3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen,

von Herzen ihm ewiglich singen:

Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele…

4. Der Erd und Himmel zusammenhält, unter sein göttliches Jawort stellt, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

Kehrvers: Lobe den Herrn, meine Seele



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