• Ute Braun

Kirche - Daheim (Karfreitag)


Kirche - Daheim!

Haus-Gottesdienst am Karfreitag 2020 mit AUDIO Inhalten zum Mithören.


(Dieser Gottesdienst ist für Sie und Ihre Familie erdacht. Gerne dürfen Sie diesen auch ausdrucken und weitergeben).

Eröffnung: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 22 (EG 709. 1)

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.

Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Eingangsgebet:

Herr, an Karfreitag erinnern wir uns an dein Leiden, an deine Angst, an deine Schmerzen, an deinen Tod. An alles, was du getragen und ertragen hast. Auch wenn wir nicht wirklich verstehen, warum du das alles auf dich genommen hast, erkennen wir doch, dass du uns gerade in deinem Leiden nahe kommst. Dass du ganz genau weißt, was es bedeutet: Schmerzen zu haben, sich verlassen zu fühlen, Angst zu haben, Angst auch vor Krankheit und Tod. Herr, in diesem Jahr hören wir deine Leidensgeschichte bewusster – und in diesem Jahr brauchen wir es noch mehr als sonst: die Zusage, dass du unser Leiden trägst – mit uns und für uns.

So sei uns nun nahe und lass uns hören, was uns Halt gibt und uns stärkt, das zu tragen, was uns in diesen Tagen aufgegeben ist. Amen.


Lesung: Johannes 19, 16-30

Sie nahmen ihn aber, und Jesus trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Lied: O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85, 1+2) (Audio Datei zum MITSINGEN - Orgelspiel)


1)O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

2) Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte: wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht'?

Predigtgedanken: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Karfreitag – Tag der Stille, des Gedenkens, des Leidens…

Selbstverständlich war es für mich in den zurückliegenden Jahren, dass am Karfreitag der Altar in unserer Kirche schlicht und karg, ohne jeden Schmuck war. Selbstverständlich war es für mich, dass nach dem Karfreitagsgottesdienst Orgel und Glocken schwiegen bis zum Osterjubel in der Osternacht.

Fast ebenso selbstverständlich waren für mich die vertrauten Lesungen zum Karfreitag. Die Klage im Psalm 22 „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen…“ – Worte, die die Evangelisten Markus und Matthäus Jesus in den Mund legen, als er am Kreuz stirbt.

Die Geschichte von der Verurteilung und Kreuzigung, wie sie Johannes erzählt: den Machthabern ausgeliefert, verspottet, nicht ernstgenommen, das Kreuz tragend, das schwer auf seinen Schultern liegt, der Schmerz und die Angst, die immer wieder in den Geschichten anklingen. Und dann: die Fürsorge für die Mutter und das „Es ist vollbracht!“ beim letzten Atemzug.

In diesem Jahr erlebe und höre ich das alles viel bewusster – und vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich?

Der karge und stille Karfreitag – in diesem Jahr werden wir das wohl viel stärker empfinden als in den Vorjahren. Es ist schon die ganze Zeit jetzt still um uns. Und nun schweigen auch noch die Glocken – das einzige, was man in diesen Tagen überhaupt noch von den Kirchen gehört hat.

Draußen sind nur wenig Menschen unterwegs – keine lachenden Kinder spielen auf der Straße – die Menschen bleiben zu Hause aus Rücksicht oder auch aus Angst. Menschen, die allein leben, werden in diesen Tagen kaum Besuch bekommen, der ihre Einsamkeit durchbricht. Und für die Menschen in den Heimen und Krankenhäusern ist die Einsamkeit mit Händen zu fassen…

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ – Jesus starb allein und verlassen am Kreuz. Seine Jünger waren geflohen, ein paar Frauen waren noch da – aber auch sie standen entfernt. Ja, selbst Gott schien sich zurückgezogen zu haben, als mitten am Tag die Nacht hereinbrach.

Verlassen und einsam – auf einmal ist mir Jesu ganz nah – ich kann es spüren wie er sich fühlt.

Trägt er auch unsere Einsamkeit – trägt er sie mit uns? Für uns?

Er wurde ausgeliefert an die römischen Machthaber, an die weltlichen und geistigen Herrscher seiner Zeit. Sie empfanden ihn als Bedrohung, wollten nicht wahrhaben, wer er ist und was er will.

Auch wir fühlen uns in diesen Tagen ausgeliefert. Da passiert etwas in unserem Land, in Europa und in der Welt, dem wir machtlos gegenüber stehen. Ein Virus – unsichtbar – ergreift die Macht über unser Leben. Das macht uns hilflos, ratlos und auch ängstlich – und die Worte Jesu im Garten Gethsemane sind uns auf einmal so nah: „Herr, lass diesen Kelch an mir vorüber gehen“.

Die Mächtigen unserer Länder entscheiden mit über unser Leben – über unsere Freiräume, unsere Möglichkeiten der Begegnungen, ja sogar über die Form, wie wir unser religiöses Leben gestalten können. Sie tun das aus Sorge, aus Fürsorge für uns und alle anderen. Sie nehmen ernst, was in der Welt geschieht und treffen die Entscheidungen, um die Menschen zu schützen, für die sie Verantwortung tragen. Und wir können das auch verstehen - aber es macht es uns kaum leichter, das alles zu tragen. So lange zu tragen. Doch wir können es wohl nur aushalten, es er-tragen – wie Jesus sein Leiden und sein Kreuz.

Und auf einmal spüren wir am eigenen Leib, wie schwer es ist, etwas auszuhalten. Woher hatte Jesus die Kraft dazu?

Da ist die Fürsorge Jesu für seine Mutter, für seinen Lieblingsjünger. „Frau, siehe, das ist dein Sohn!“ – „Siehe, das ist deine Mutter!“ Es soll den beiden gut gehen. Auch dann, wenn er selbst nicht mehr für sie sorgen kann.

Wie viele Zeichen der Fürsorge können wir in diesen Tagen um uns her wahrnehmen: da sind jüngere Menschen, die sich gesund fühlen, und für Ältere und Kranke einkaufen gehen. Da sind Ärzte und Pflegekräfte, die ihr Menschmögliches tun, um für die ihnen Anbefohlenen zu sorgen, weit über ihre eigenen Kraftgrenzen hinaus. Da sind die Pflegekräfte in den Seniorenheimen, die neben der körperlichen Sorge um ihre Bewohner nun auch nach Wegen suchen, ihnen die Isolation in den Zimmern und Wohngruppen durch kleine Angebote zu erleichtern.

Auf einmal werden Fremde zu Familie - zu Mutter, Vater, Kindern, Enkeln, zu Freunden und Seelsorgern.

Und dann kommt das erlösende „Es ist vollbracht!“ – ich höre es heute wie ein „geschafft“.

„Wir haben es geschafft“. Es sind viele, die in diesen Tagen auf solche erlösenden Worte in den Nachrichten warten. Wie sehnen wir uns danach, irgendwann zu hören, dass wir es geschafft haben – dass die Einschränkungen in unserem Leben, das Tragen unserer eigenen Kreuze von Einsamkeit und Angst, es geschafft haben, diese unsichtbare und bedrohliche Krankheit zu besiegen oder zumindest stark zu begrenzen. Dass wir einander wieder begegnen können – ohne Angst.

„Es ist vollbracht!“

Ja, ich höre und lese die Worte des Karfreitags in diesem Jahr viel bewusster und auch anders als in den Vorjahren. Hier hat jemand wirklich viel – ja alles! – auf sich genommen. Für andere. Hier hat jemand getragen und er-tragen – obwohl es manches Mal unerträglich schwer war. Und da hat einer gesiegt über alle und alles, was Macht über ihn gewinnen wollte.

„Es ist vollbracht!“

Johannes legt diese Worte einem Jesus in den Mund, der für ihn Sohn Gottes war, ja, Gott selbst.

Gott selbst war es für ihn, der hier gelitten, ertragen, gesorgt und schließlich gesiegt hat.

Für mich bedeutet das, dass dieser Gott mir und uns nah ist – in dieser Situation jetzt, die jeden von uns in anderer Weise herausfordert – aber auch in jedem anderen Kreuz und Leid, das uns auf die Schultern gelegt wird.

„Es ist vollbracht!“

Wir glauben, dass diese Worte Jesu nicht die letzten waren! – Drei Tage später wird er seinen Jüngern wieder begegnen und ihnen vor Augen führen, was er vorhergesagt hatte.

Der Tod, das Leiden, das Kreuz: es ist nicht das Letzte – es gibt etwas, es gibt jemanden, der stärker als das ist, was uns Angst macht!

Diese Hoffnung ist es, die ich in diesem Jahr brauche – an diesem so stillen und kargen Karfreitag.

In den Worten Jesu im Johannesevangelium finde ich sie, wenn er sagt:


„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost: ich habe die Welt überwunden“.

Amen.

Lied: Kreuz auf Jesu Schulter (EG 97,1-6) (Audio Datei zum MITSINGEN - Orgelspiel)


1) Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,

ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Kehrvers: Kyrie eleison, sieh wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2) Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt

Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.

Kehrvers: Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen…

3) Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht.

Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht.

Kehrvers: Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen…

4) Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.

Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.

Kehrvers: Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen…

5) Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu.

Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?

Kehrvers: Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen…

6) Hart auf deiner Schulter, lag das Kreuz, o Herr,

ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.

Kehrvers: Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen…

Schlussgebet: (Audio Datei zum MITHÖREN)

Gott,

in deinem Sohn hast du dich den Gesetzen der Welt ausgeliefert. In ihm hast du Angst erfahren, Leiden erlebt, dich verlassen gefühlt, den Tod gesehen, für andere gesorgt und schließlich gesiegt.

So bitten wir dich: sei denen nahe, die Angst haben – um ihre eigene Gesundheit und die ihrer Angehörigen, um ihre wirtschaftliche Existenz, um Menschen, für die sie gerade nicht so sorgen können, wie sie es möchten.

Hilf denen tragen, die Leiden erfahren – in den Kliniken in unserem Land aber auch in allen Ländern der Erde – auf den Straßen, unter den Brücken, in den Flüchtlingslagern und an allen Orten, wo Menschen ausharren. Sei bei Kranken, Sterbenden und Trauernden.

Sei bei denen, die sich gerade verlassen fühlen – in den eigenen vier Wänden oder in den Heimen.

Schenk Kraft und Durchhaltevermögen allen, die in diesen Tagen ihre Arbeit verrichten für andere – bei Ärzten, Pflegekräften, Apothekern, Verkäuferinnen, Zulieferer und vielen anderen.

Halte deine Hand über uns alle und bewahre in uns die Hoffnung, dass schlussendlich doch das Leben siegen wird.

(Raum für eigene Bitten und Fürbitten)

Vater unser im Himmel…

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Lied: Korn das in die Erde (EG 98,1-3) (Audio Datei zum MITSINGEN - Orgelspiel)


1) Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.

Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

2) Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,

Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.

Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

3) Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,

Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –

Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Segen (Audio Datei zum MITHÖREN)

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.


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