• Ute Braun

Trau Dich

Hallo zusammen!


Kennt ihr schon Merle? Ich habe sie auch erst vor kurzem kennengelernt, als sie mir ihre Bilder geschickt hat. Heute stelle ich sie euch ein bisschen vor – mit einer kleinen Geschichte zu ihren Bildern:

Das ist Merle! Sie wohnt in einem wunderschönen Garten in Scherzheim.

Dort gefällt es ihr gut, denn in diesem Garten kann man prima spielen, sich am Teich ausruhen, am frischen Gras knabbern und anderes.

Merle ist ein neugieriges kleines Schaf, aber auch ein bisschen schüchtern. So kommt es auch, dass sie ihren wunderschönen Garten eigentlich nie verlässt. Aber langweilig wird es ihr trotzdem nicht. Es gibt ja so viele Möglichkeiten in diesem großen Garten.

An diesem Mittag zum Beispiel hatte sie Papierschiffchen mit echten Blättersegeln gebastelt und auf dem Teich im Garten schwimmen lassen.

Das sah lustig aus!

Während Merle den beiden Schiffchen so zuschaute, wie sie über den Teich schwammen, fing sie ein bisschen an zu träumen. Sie stellte sich vor, wie die beiden Schiffe über das weite Meer segelten und an unbekannten Häfen anlegten und fremde Länder kennenlernten. Das stellte Merle sich sehr aufregend vor.

Sie war noch nie irgendwo anders gewesen als in diesem Garten. Denn wenn sie ehrlich war, dann hatte sie ein bisschen Angst vor der Welt da draußen.

Merle schaute wieder auf die Schiffchen…

Auf einmal meinte sie eine Stimme zu hören: „Trau dich, Merle!“ Huch, wer sprach denn da? Merle konnte überhaupt niemanden sehen!

„Trau dich, Merle! Du kannst alles schaffen, wenn du an dich glaubst!“

Sowas! Wer sprach denn da zu ihr? Es war doch niemand da! Oder war die Stimme etwa in ihr drin?

„Trau dich, Merle!“

Merle holte einmal tief Luft. Also gut, dann würde sie jetzt all ihren Mut zusammen nehmen und die weite Welt erkunden. Zumindest mal die Straße draußen…

Entschlossen macht sich Merle auf den Weg – quer durch den Garten und zum Gartentor hinaus auf die Straße…

Doch kaum hatte sie die ersten Schritte auf der Straße gewagt, hörte sie lautes Hundegebell! Vor Schreck machte Merle gleich wieder einen Satz zurück in den Garten! Vor Hunden hatte sie als Schaf nämlich ordentlichen Respekt!

„Halt!“, rief da jemand, „vor uns musst du keine Angst haben! Wir tun dir nix!“

Neugierig ging Merle wieder raus auf die Straße und schaute sich den Hund an, der nun freundlich wedelnd vor ihr saß.

„Ich bin Jacky! Und wie heißt du?“

„Merle“, sagte Merle noch ein bisschen schüchtern.

„Schön dich kennenzulernen, Merle! Was machst du heute noch? Magst du vielleicht ein bisschen mit zu uns kommen? Wir wohnen gar nicht weit weg!“

Da merkte Merle erst, dass Jacky mit einer merkwürdigen kleinen Gesellschaft unterwegs war:

Zuerst sah sie ein sehr großes Pferd. Es musste offenbar ein bisschen verfressen sein, denn es hatte den kurzen Stopp vor Merles Gartentür gleich genutzt, um das Vesper auszupacken! Auf dem Pferd saßen ein zweiter Hund und 3 Affen!

Merle schluckte: das war ja ein richtiger kleiner Zoo!

„Darf ich dir meine Freunde vorstellen?“, fragte Jacky. „Also das Pferd heißt Tinka. Dann sitzt oben drauf mein kleiner Bruder Snicky. Neben ihm sitzt der Affe Uu und sein Freund Ali – und der kleine, der gerade seinen Mittagsschlaf in ihrem Schoß hält, das ist Coco.“

Merle kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

„Was ist nun? Kommst du nun ein bisschen mit zu uns. Es ist wirklich gar nicht weit von hier. Und wenn es dir nicht gefällt, bringen wir dich auch gleich wieder heim!“ sagte nun der Affe Ali.

„Trau dich!“, hörte Merle wieder diese Stimme und gab sich eine Ruck: „Ja, ich komme mit euch mit!“

So zog die kleine Gruppe gemeinsam weiter und kamen in einen richtigen Park. Tolle große Bäume standen darin!

Merle kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Aufgeregt und neugierig wanderte sie durch den kleinen Park.

Auf einmal hörte sie über sich ein merkwürdiges Geräusch. Es klang ein bisschen wie ein Schnarchen. Merle musste ganz genau hinschauen, doch dann entdeckte sie ein merkwürdiges Tier, das da an einem Ast hing.

„Huch, wer ist denn das? Schläft er? Und wieso fällt er dann nicht runter, wenn er schläft? Kann er sich denn auch im Schlaf am Ast festhalten?“ Das war wirklich ein merkwürdiges Tier!

„Das ist Trick!“, erklärt ihr nun Coco. „Der hängt da meistens rum und träumt von großen Abenteuern!“

„So ein Faultier!“, dachte Merle! Wobei: von Abenteuern träumen, das kannte sie ja von sich auch.

Neugierig ging Merle weiter.

Das war wirklich ein schöner Park! Da konnte man sich sicher den ganzen Tag drin aufhalten und würde immer wieder Neues entdecken!

Die neuen Freunde ließen Merle in aller Ruhe den Park erkunden und kletterten so lange in den Bäumen herum.

„Ach“, dachte Merle, „das würde ich auch gerne können! Einfach so wie die Affen im Baum herumklettern.

Was man von da oben wohl alles sehen könnte? Vielleicht könnte man sogar den schönen blauen Himmel berühren und eine Schäfchenwolke streicheln?“ Das wollte Merle schon immer mal machen! Aber mal ehrlich: habt ihr schon mal ein Schaf auf einem Baum gesehen? Nein, natürlich nicht. Ein Schaf gehörte auf den Boden. So war das nun mal und da halfen auch alle Träume nichts!

„Trau dich!“, hörte Merle auf einmal wieder. Doch dieses Mal war die Stimme eine andere. Überrascht schaute Merle hoch in den Baum und entdeckte eine schöne bunte Eule: „Trau dich! Man kann alles schaffen, wenn man an sich glaubt!“

„Darf ich dir ‚Bunte Blume‘ vorstellen?“, mischte sich Jacky dazwischen. „Bunte Blume ist unsere weise Eule, denn sie weiß einfach alles!“

„Trau dich!“, sagte Bunte Blume noch einmal.

Merle schaute nochmal zweifelnd an dem Baum hoch. Naja, warum eigentlich nicht? Mehr als dass es nicht klappte und sie wieder zurück ins Gras purzelte, konnte ja nicht passieren.

Langsam und ganz vorsichtig, Pfotenschrittchen um Pfotenschrittchen kletterte Merle an einem Baumstamm hoch.

Da der Baum ein bisschen schief war und eine ziemlich raue Rinde hatte, klappte es sogar überraschend gut!

Stolz setzte sich Merle auf einem Ast zurecht und schaute sich den Park aus dieser Perspektive an. Naja, an den Himmel kam sie leider nicht heran und Schäfchenwolken waren eh grad keine am Himmel, aber das machte ja nichts.

Grinsend blieb Merle auf ihrem Ast sitzen. Das war richtig toll hier oben!


Auf einmal flog ein Fisch an ihr vorbei. „Huch, Sachen gibt’s!“, konnte Merle grad noch schnell denken, da war der Fisch aber auch schon vorbei geflogen!

„Siehst du“, sagte Bunte Blume „ich hab es dir doch gesagt: Alles ist möglich, dem der glaubt! Dann kann auch ein Fisch fliegen und ein Schaf auf den Baum klettern!

Trau dich nur, kleine Merle, immer wieder Sachen auszuprobieren, von denen du träumst. Viele Träume kann man sich so nämlich erfüllen! Und vergiss nie: du kannst alles schaffen, wenn du an dich glaubst!“

„Ich kann alles schaffen!“, sagte sich Merle noch einmal vor, um es ja nicht zu vergessen.

Heute hatte sie wirklich viel Neues gelernt und neue Freunde gefunden.

Auf einmal hörte sie über sich wieder Blätterrascheln und Flügelschlagen. Neben Bunter Blume waren zwei weitere Eulen gelandet. „Ich heiße Flora“, piepste die kleine Eule. Und ich heiße „Goldwing“, krächzte die größere mit heißerer Stimme.

„Wie wäre es, Merle, wenn du uns ganz bald wieder besuchen kommst? Magst du?“

Oh ja! Das wollte Merle nur zu gerne!

Jetzt wusste sie ja, dass sie keine Angst mehr haben musste, ihren Garten zu verlassen. Und dass die Hunde Jacky und Snicky ganz liebe waren. Und bei der Vorstellung beim nächsten Mal mit den 3 Affen durch die Bäume zu klettern, musste sie jetzt schon lachen! Und wer wusste, was ihnen gemeinsam noch so einfiel. In einem Garten, wo Schafe auf Bäume klettern und Fische vorbeifliegen, da muss man schließlich mit allem rechnen!

„Ja, ich komme ganz gewiss wieder! Aber für heute muss ich nach Hause. Ich muss das erst mal alles verdauen, was ich heute bei euch erlebt habe.“

„Genau! Verdau das erst mal“, murmelte eine schläfrige Stimme zwischen den Blättern.

„Am besten verdaust du das alles, wenn du dich wie ich an einen Ast hängst und von weiteren großen Abenteuern träumst!“

Und nach diesem klugen Rat schloss das Faultier Trick wieder die Augen und ließ Merle glücklich nach Hause hüpfen. Natürlich erst nachdem sie einander versprochen hatten, sich ganz bald wieder zu besuchen!

Vielen Dank an dieser Stelle an Anja, Franziska und Katharina W. für die „tierischen“ Bilder und die dazu gehörigen Namen. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, dazu eine Geschichte zu erfinden!

Wenn sie euch auch gefallen hat, dann schickt mir doch auch Bilder, und lasst euch überraschen, was ich dazu erfinde!

Macht‘s gut zusammen und vergesst nicht: „Alles ist möglich dem, der glaubt!“


Euer Wolli

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