• Ute Braun

Ungerecht?

Hallo Kinder!

Am Montag war der erste Schultag für unsere Viertklässler hier nach der langen Corona-Pause.

Eine große Tafel hat sie heute Morgen an der Eingangstür willkommen geheißen!

Und ich glaube, viele Kinder, Eltern und Lehrer sind wirklich froh, dass so nun wieder ein bisschen „Schulalltag“ möglich ist.

Allerdings muss auch an ganz viel gedacht werden, damit alle Regeln, die im Moment gelten, auch von den Kindern eingehalten werden können.

Eine ganze Tafel voller Regel stand so auch im Flur der Schule.

Ja, es ist nach wie vor eine schwierige Zeit. Und meine Freundin Schoan aus Düsseldorf hat sich in ihrem Brief an mich und euch auch damit auseinander gesetzt.

Und vielleicht kennt ihr das ja auch ein bisschen, was sie beschreibt?

Aber lest selbst!

Bis bald wieder!


Euer Wolli


Liebe Kinder!

Findet ihr die Welt manchmal auch ungerecht? Da sind eure Geschwister, die schon wieder zur Schule gehen dürfen, und ihr müsst immer noch vor dem Computer und an Arbeitsblättern zu Hause sitzen und dort eure Aufgaben machen! Dabei wollt ihr doch auch einfach endlich wieder in die Schule!

So geht es mir auch. Warum? Naja, deshalb! Ich erkläre es euch!

Ja, ich habe mich lange nicht gemeldet, ich bin’s eure Schoan, und das liegt daran, dass ich auf meine Mitbewohnerin aufpassen musste. Die ist nämlich Lehrerin. Und die betreut ihre Schüler gerade über den Computer. Meistens jedenfalls. Das heißt: sie stellt den Schülern Aufgaben zur Verfügung in einer Online-Lernplattform, dann korrigiert sie die Aufgaben, dann macht sie vor dem Bildschirm Unterricht. Wie genau das funktioniert, habe ich immer noch nicht verstanden.

Dann meldet sich ihre Chefin mit neuen Informationen. Die taucht dann auf einmal auch in diesem Computer auf. Und so kommt meine Mitbewohnerin gar nicht mehr weg von diesem Bildschirm. Abends melden sich dann nämlich noch Freunde – auch auf diesem Bildschirm. Und so muss ich ein bisschen darauf aufpassen, dass das alles nicht zu viel wird. Und dann setze ich mich auf den Bildschirm und rufe ganz laut: „Ausmachen! Aufhören! Es reicht!“ – und dann geht der Bildschirm auch aus, so wie ihr das auf dem Bild sehen könnt.

Und was macht Skipper derweil? – und das ist genau das Ungerechte jetzt! Der fährt nach Sylt und lässt es sich da gut gehen.

Naja, zugegeben, er hat auch nach seinen Pflegegroßeltern geguckt, das war schon nett von ihm. Aber auf die leere Insel wäre ich auch gerne gefahren. Wenigstens hat er mir ein paar Bilder geschickt. Spaß hatte er wohl.

Ist von Geländern gerutscht. Stundenlang.

Und auf Mauern rumgewatschelt. An den Strand wollte er nicht. Zu viel Sand! Komischer Pinuguin, wirklich!

Also, wenn ich auf Sylt sein könnte, dann würde ich stundenlang am Strand spazieren gehen und aufs Meer gucken, Sandburgen bauen, auf dem Deich das erste grüne Gras knabbern und mir den Wind um die Nase wehen lassen.

Aber: ich muss ja auf meine Mitbewohnerin aufpassen.

Ungerecht! Oder doch nicht?

Ja, vielleicht sollte ich es so sehen: wir müssen alle weiterhin aufeinander Acht geben. Ich auf meine Mitbewohnerin, Skipper auf seine Pflegegroßeltern, ihr Kinder auf eure älteren Geschwister, die jetzt wieder in die Schule gehen, und auf eure Eltern, die sich so anstrengen, dass ihr alle gut durch diese Zeit kommt. Ihr Schulkinder auf eure Mitschüler und Lehrer, dass trotz der schwierigen Zeit ein gutes Arbeiten für alle möglich ist, und ihr Lehrer auf alle Schüler, die etwas lernen wollen aber auch Raum brauchen, um zu erzählen, wie es ihnen gerade geht.

Und wir alle miteinander müssen auf die achten, die schon die ganze Zeit so viel für andere im Einsatz sind und gar nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht – und die sich sicher auch nach solchen wohltuenden Pausen sehnen, wie sie Skipper auf Sylt verbringen durfte. Was meint ihr?

Liebe Grüße von


Eurer Schoan!

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