• Ute Braun

Wolli bei der Spargelernte

Hallo zusammen!

Wenn ihr zur Zeit einkaufen geht wie ich hier im Hofladen in Lichtenau, dann könnt ihr ein Gemüse entdecken, dass es nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr gibt. Ja, genau: Ich meine den Spargel.

Die Stangen gibt es in grün und in weiß. Und die weißen gibt es dann auch in allen möglichen Dicken.

Aber es gibt sie nur wenige Wochen lang. Früher sagte man, vom 1.Mai bis zum 24.Juni, dem Johannistag, gibt es Spargel.

Heute kann je nach Witterung und anderer Unterstützung die Ernte auch schon ein bisschen früher beginnen. Aber auch heute noch endet die Spargelernte am 24.Juni! Danach werden die Pflanzen in Ruhe gelassen, damit sie alle Kraft sammeln können, um dann im nächsten Jahr wieder schönen Spargel hervorzubringen. Hier in unserer Region wird viel Spargel angebaut.

Sicher habt ihr bei einem Ausflug schon die Felder gesehen, mit den langgezogenen Dämmen darauf, die mit schwarzer oder weißer Folie abgedeckt sind? Dort wächst der Spargel.

Und da ich neugierig war, wie genau das funktioniert mit der Ernte und was noch alles passiert, bis der Spargel dann im Laden liegt, bin ich an einem Nachmittag mit Herrn Fraß vom Querfeldein zur Spargelernte mitgegangen.

Zu allererst waren wir auf diesem Feld, wo gerade die Mitarbeiter dabei waren, zu ernten.

An diesem Tag war es ziemlich feucht, so dass die Männer mit der Hand die Folie aufdecken mussten und nachher wieder zu. Und sie mussten auch selbst ihre Erntekörbe tragen.

Bei trockenem Wetter übernimmt diese Arbeit die Spargelspinne, die ihr hier seht:

Sie hebt die Folie an, damit die Männer darunter arbeiten können, und trägt auch die Erntekörbe mit.

Das macht die Arbeit ein bisschen leichter. Aber nur ein bisschen… Ihr seht ja, dass die Männer sich bei der Ernte bücken müssen. Und da sie ca. 10 Stunden am Tag arbeiten, könnt ihr euch sicher vorstellen, wie weh ihnen nachher der Rücken tut.

Ihr könnt euch das nicht vorstellen? Dann lauft doch mal eine halbe Stunde gebückt durch eure Wohnung. Ohne euch zwischendrin aufzurichten oder hinzusetzen oder hinzuliegen, dann bekommt ihr ein bisschen ein Gefühl dafür…

Natürlich war ich auch neugierig, was das mit dieser Folie zu bedeuten hat, und lernte Folgendes:

Der Spargel wächst ja unter der Erde in diesen langgezogenen Dämmen. Und da es unter der Erde immer etwas kühler ist als oberhalb der Erde, versucht man mit der schwarzen Folie, etwas mehr Wärme unter die Erde zu leiten.

Mit moderner Technik kann man das heute ganz genau messen. Genaue Sensoren messen die Temperatur oberhalb der Erde, ein Stück unter der Erde und so tief unten, wo die Wurzel der Pflanze liegt. Und dann wird das über eine App an Computer oder Handy weitergeleitet. Spezielle Programme können dann ausrechnen, um wieviel Grad man die Wärme steigern kann, wenn man die schwarze Folie auf den Dämmen liegen lässt. So kann man quasi ein bisschen „Gas geben“, damit der Spargel schneller wächst, gerade wenn es noch ein bisschen kalt und feucht ist. Wenn es dann aber schön warm ist und der Spargel nur so losschießt, dann kann man das Wachstum etwas verlangsamen, indem man die Folie umdreht und die weiße Seite oben liegt.

Auch das berechnet und überwacht dann wieder der Sensor. Früher als man noch nicht mit der Folie und den Wärmemessungen gearbeitet hat, war man da ganz der Witterung unterworfen. Deswegen war eben auch die Zeit, in der man Spargel ernten konnte, noch etwas kürzer als heute…

Und weil man das Wachstum nicht mit einer weißen Folie verlangsamen konnte, musste man oftmals zweimal täglich dasselbe Feld ernten.

So aber jetzt weiter, denn noch haben wir ja keinen Spargel geerntet.

Spargelernte müsst ihr euch in bisschen so vorstellen, wie wenn ihr nach einem Schatz grabt. Denn der Spargel wächst ja ganz unter der Erde, und es wichtig, dass er auch geerntet wird, bevor er mit seinem Kopf (so nennt man die Spargelspitze oben) durch die Erde stößt. Das soll er nämlich nicht. Sobald der Spargel aus der Erde guckt, verfärbt er sich violett. Die meisten Menschen wollen aber Spargel, der ganz weiß ist ohne jede Spur von violett.

Deswegen muss man nun bei der Ernte ganz genau schauen. Man geht an dem Damm entlang, der immer ganz glatt gestrichen wird. Und wenn man eine klitzekleine Erhebung auf der Sandoberfläche entdeckt, dann beginnt man da vorsichtig in die Tiefe zu graben. So wie hier auf dem Bild. Allerdings waren diese Spargelchen noch etwas zu dünn zum Ernten, so wurde die Erde wieder darüber gestrichen. Aber ein Stückchen weiter wurden wir fündig!

Dieser Spargel war genau richtig zum Ernten.

Zum Ernten selbst braucht man dann ein langes Spargelmesser. Mit ihm wird der Spargel tief unter der Erde abgeschnitten.

Und wenn man allen Spargel, den man an der Stelle ernten will, abgeschnitten hat, dann wird der Damm wieder geschlossen und glatt gestrichen. Das seht ihr hier:


In der linken Hand ist eine Art Spachtel, mit dem die Erde glatt gestrichen und ein bisschen festgeklopft wird. Und in der anderen Hand seht ihr das Spargelmesser.

Ja, so hatten wir nun also meinen ersten Spargel geerntet.

Aber damit war meine Erkundungstour noch nicht zu Ende.



Zuerst kamen wir noch an diesem Spargel hier vorbei. Der ist ganz grün, weil er aus der Erde ragt.

Hier ist das unabsichtlich passiert und so wird dieser Spargel auch nicht geerntet.

Aber auf einzelnen Feldern ist es Absicht, dass der Spargel aus der Erde wächst und grün wird. Das ist dann „grüner Spargel“, der ein bisschen anders aber auch sehr lecker schmeckt.

Wenn man den Spargel nun aber nicht ernten würde und er würde immer weiter wachsen, dann sieht er irgendwann so aus. Ja, da sind dann grüne Blätter dran und winzige gelbe Blüten. Eigentlich eine richtig schöne Pflanze.

Diese Pflanzen hier sind recht junge Spargelpflanzen. Sie wurden erst letztes Jahr gepflanzt.

Dann werden sie 2 Jahre in Ruhe wachsen gelassen, damit sie kräftig werden. Erst im nächsten Jahr wird hier dann geerntet.

Die Dämme hat man aber auch hier schon aufgeschüttet, damit die Pflanze beim Aufwachsen gestützt wird und der Wind sie nicht umknicken kann.

Nach dem 24.Juni werden übrigens alle Spargelpflanzen wachsen gelassen. Das heißt, wenn ihr im Sommer mal an den Spargelfeldern vorbei fahrt, könnt ihr auch solche grünen Pflanzen sehen.

Im Herbst welkt das grüne Kraut und stirbt ab. Die Spargelpflanze macht dann unter der Erde ihren Winterschlaf bis in den nächsten Frühling hinein.

So, nun verlasse ich mit euch das Spargelfeld und spickel noch wo anders rein.

Denn weil die Menschen keinen dreckigen Spargel kaufen wollen, muss der Spargel erst noch gewaschen werden.

Früher mussten nun die Menschen den Spargel vom Feld in Eiswasser runter kühlen, dann wurde er Stange um Stange einzeln geputzt und sauber abgeschnitten und mit der Hand sortiert.

Auch heute noch kommt der Spargel nach der Ernte in das eisige Wasser zum runter kühlen. Aber Waschen, Schneiden und Sortieren übernimmt dann diese Maschine. An dem Nachmittag, an dem ich da war, war sie nicht mehr in Betrieb. Aber da ich ja, wie ihr wisst, ein neugieriges Schaf bin, durfte ich am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder kommen.

Und da sah es doch hier gleich ganz anders aus.

Der Spargel wurde von einem Arbeiter einzeln auf das Förderband gelegt – in der Maschine wird er dann zuerst grade abgeschnitten und dann von allen Seiten fotografiert. Mit diesen Bildern kann dann ein Computer den Spargel genau sortieren in 1. Wahl und 2. Wahl und nach der Dicke (es gibt 4 unterschiedliche Dicken im Verkauf!).


Und je nachdem, was der Computer ausrechnet, fällt die Spargelstange dann in ein entsprechendes Wasserbecken.

Hier stehen dann vier Frauen, die die Spargelstangen wieder aus dem Wasser fischen, das Spargelende mit einem Messer noch etwas nachputzen und es dann in die Kisten für den Verkauf verteilen.

Die Frauen dort sind sehr schnell und auch sehr erfahren. Sie merken gleich, wenn ein Spargel aus Versehen mal ins falsche Becken fällt und sortieren ihn dann richtig ein!

Sie sind jeden Morgen mehrere Stunden da und verrichten diese Arbeit.

Täglich gehen etwa 300-400 Kilo Spargel durch ihre Hände.

Aber die Stimmung dort war richtig gut – und als ich mich so frech neben die Kisten setzte, mussten sie sogar lachen.

Vielen Dank deshalb an alle, die mich so hinter die Kulissen schauen ließen, ganz besonders an Herrn Fraß vom Hofladen Querfeldein in Lichtenau-Ulm, der mir alles gezeigt und genau erklärt hat. Es war ein sehr interessanter Nachmittag für mich! Danke!

Viele Grüße und weiterhin gutes Spargelernten!


Euer Wolli

P.S. Habt ihr Kinder schon mal Spargel gegessen? Also ich mag ihn am liebsten als Gemüse zu Pfannkuchen… :-) Aber man kann auch Spargeltoast machen oder ihn ein bisschen anbraten…

Eure Eltern haben bestimmt ein ganz eigenes Rezept für Spargel.

Fragt doch einfach mal nach und vielleicht wollt ihr ja dann die Zeit bis zum 24.Juni noch nutzen, um ihn mal zu probieren! :-)

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