• Ute Braun

Wolli und der Friedenskönig

Hallo Kinder!

Stellt euch vor: in eurer Stadt oder auch in dem Dorf, in dem ihr wohnt, kommt ein König zu Besuch!

Was da wohl los wäre? Die Straßen wären geschmückt, die Leute stünden aufgeregt am Straßenrand, der Bürgermeister würde seinen besten Anzug anziehen, vielleicht würde man sogar einen roten Teppich ausrollen und der Musikverein würde den Einzug des Königs feierlich begleiten!

Und der König – er käme natürlich in einer edlen Limousine vorgefahren – oder auch ganz traditionell in einer Kutsche…

Ganz sicher hätte er Bodyguards dabei oder sogar Soldaten. Auf jeden Fall wären seine Begleiter ganz sicher bewaffnet, damit dem König ja nichts passiert…

Und jetzt stellt euch noch was anderes vor.

Stellt euch vor: Gott selbst würde in eure Stadt kommen – und er käme, um den Menschen in eurem Ort nahe zu sein, um ihnen zu helfen. Und ihr hättet die Möglichkeit, ihm zu sagen, welche Hilfe gerade am nötigsten ist.

Habt ihr Ideen, was ihr im da alles sagen würdet?

Ich stell mir vor, dass viele Menschen in der jetzigen Situation sich wünschen würden, dass sie gesund bleiben. Andere würden sich ganz viel Kraft wünschen, damit sie die Arbeit weiter tun können, die sie gerade für andere tun. Manche würden sich Trost wünschen, weil sie sich gerade so allein fühlen, und andere Mut, weil sie ein bisschen Angst haben…

Bestimmt fallen euch noch andere Wünsche und Bitten ein, die ihr so vor Gott bringen würdet… (Was ihr übrigens jederzeit in einem Gebet tun könnt – aber das wisst ihr ja!)

Als Jesus vor fast 2000 Jahren in Jerusalem einzog, da war es ein bisschen von beidem: die Menschen begrüßten ihn wie einen König und sie baten ihn um Hilfe, so wie sie es Gott im Gebet anvertrauen würden.

Aber viel besser als ich, kann euch das mein besonderer Gast heute erzählen. Er war zwar nicht selbst dabei damals – dafür ist er noch viel zu jung! - aber seine Urururururur…großmutter hatte damals eine wichtige Rolle und ihre Geschichte wurde von Generation zu Generation weitererzählt – so wie wir es heute ja auch machen.


Ich stell euch meinen Gast noch kurz vor und dann darf er selbst zu Wort kommen. Hier neben mir auf meinem roten Sofa sitzt mein Freund Aaron!

Und wie ihr richtig seht, ist er kein Schaf wie ich, sondern ein Esel!


Nun, Aaron, sind wir gespannt, was du uns zu erzählen hast….

Aaron:

Ja das war so damals: Meine Ururururur…großmutter Elsa war damals noch eine junge Eselin. Sie war vor dem Haus ihres Besitzers angebunden und ließ sich die Sonne auf die Nase scheinen.

Auf einmal kamen zwei Männer, banden sie los und nahmen sie einfach mit. Als ihr Besitzer aufgeregt angerannt kam, sagten die beiden nur: „Unser Herr braucht den Esel! Wir bringen ihn auch wieder zurück!“ Und schon gingen sie mit der Eselin weiter.

Nur ein kurzes Wegstück entfernt trafen sie auf andere Männer. Und einer von ihnen setzte sich auf Elsas Rücken. Die anderen Männer nannten ihn: „Meister“ und „Herr“ und „Jesus“.


Jesus! Von Jesus hatte Elsa schon viel gehört, wenn sie mit ihrem Herrn durch Jerusalem und das Umland gelaufen war, um Waren auszuliefern.

Jesus, so erzählten die Leute, war ein Mann, der mit dem Segen Gottes handelte. Er konnte Menschen heilen und trösten. Er war zu allen freundlich, sogar zu denen, die von den anderen ausgeschlossen wurden. Er kümmerte sich um Menschen, die in Not waren. Er hatte für alle ein offenes Ohr. Er erzählte wunderschöne und auch tröstliche Geschichten von Gott. Und: er ließ sich weder von den römischen Soldaten, die das Land besetzt hatten, noch von den hohen Priestern im Tempel einschüchtern. Ihnen gegenüber nahm er kein Blatt vor den Mund, sondern sagte, was er dachte.

Und dieser Jesus saß jetzt auf ihrem Rücken? Unglaublich! Und unglaublich schön!

So trug Elsa sehr stolz ihren besonderen Reiter durch das Jerusalemer Stadttor. Kaum hatten die ersten Menschen ihn entdeckt, fingen sie an zu winken und zu rufen.

„Hosianna“ riefen die einen! Und „Gelobt sei Gott“ andere.

Kinder rannten nebenher und winkten auch.

Und dann fingen die Menschen auf einmal an, Kleidern und Palmzweige auf den Boden zu legen. Mit den Sachen, die sie zur Hand hatten, legten sie zwar keinen roten aber einen bunten Teppich für ihren König! Und die mit den Palmzweigen, die sie noch in den Händen hielten, winkten die Menschen am Straßenrand.

Ja, sie begrüßten diesen Jesus wirklich wie einen König. Einen König, der ihnen von Gott selbst geschickt wird. Ein König, der ihnen helfen würde – gegen die römischen Feinde aber auch gegen ihre Not.

Wolli:

Aber sag mal, Aaron, kam das den Leuten denn nicht komisch vor, dass Jesus auf einem Esel angeritten kam. Und diejenigen, die neben ihm her gingen waren einfache Leute und sogar Kinder. Keine Kutsche, keine Pferde, keine Soldaten… Sah denn ein König wirklich so aus? Ein König, auf den die Menschen auch noch so große Hoffnungen setzten?

Aaron:

Tja, Wolli, das habe ich mich auch oft gefragt. Aber offenbar war es so. Und das liegt daran, dass es eine ganz, ganz alte Verheißung gibt, dass Gott einmal einen Friedenskönig schicken würde. Und dieser Friedenskönig, der würde nicht mit Soldaten, Waffen Truppen und Pferden kommen, sondern er würde ganz sanft und friedlich auf einem Esel reiten!

Wolli:

Ah, jetzt verstehe ich! Und genauso kam Jesus nun nach Jerusalem – und die Menschen wurden so an die alte Verheißung erinnert. Sie konnten und sie wollten glauben, dass Jesus nun endlich der König wäre, den Gott schickt. Der König, der ihnen Frieden bringt. Der König, der sie aus ihrer Not herausführt und sie auch von den Feinden befreit.

Aaron:

Ja, genau so war es! Und so jubelten die Menschen Jesus einerseits zu – aber sie baten ihn auch im Hilfe. Denn das „Hosianna“, das wir heute als Jubelruf verstehen, war damals ein Hilferuf. Die Menschen riefen Jesus „Rette doch!“ zu…

Wolli:

Rette doch… Und hat Jesus das dann auch erfüllt? Hat er die Menschen gerettet? Brachte er ihnen Frieden?

Aaron:

Ja, das hat er getan – aber ganz anders als die Menschen sich das damals ausgemalt haben.

Aber vor allem hat Jesus durch diesen Einzug in Jerusalem die römischen Besatzer und auch die Hohen Priester ziemlich aufgescheucht und gegen sich aufgebracht. Sie befürchteten, dass mit Jesus eine große Unruhe in ihr Land käme und sie fürchteten um ihre Macht. Und so schmiedeten sie noch an diesem Tag die ersten Pläne, wie sie Jesus loswerden könnten.

Aber ich glaube, diese Geschichte willst du den Kindern ein anderes Mal erzählen, nicht wahr, Wolli?

Wolli:

Ja, Aaron, da hast du Recht! Tatsächlich werden wir in dieser Woche noch einige Male von Jesus hören und wie es ihm in Jerusalem ergangen ist.

Für heute aber ist unsere Geschichte zu Ende, Kinder, und ihr könnt das Bild vom Einzug in Jerusalem anmalen, das wieder extra für euch gezeichnet wurde. Schaut auch mal ganz genau hin: ich bin auch auf dem Bild drauf! J

Und ihr könnt einen Esel basteln. Einen Palm-Esel in gewisser Weise.

Naja, und wenn ihr noch keine Zeit dazu hattet, dann könnt ihr natürlich immer noch einen „Palmbuschen“ binden, wie ich es euch letztes Mal gezeigt habe.

Wir sehen uns bald wieder!

Alles Liebe für euch und eure Familien!


Euer Wolli


PS: Ein „Palm-Esel“ zum Falten:


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